Grab und Residenz Meisenheim am Glan im 16. Jahrhundert
Wolfgang Schmid
Am 11. Juni 1569 starb auf einem Feldzug zur
Unterstützung der Hugenotten in Nexon bei Limoges Herzog Wolfgang von
Pfalz-Zweibrücken[1]. Der
Pfalzgraf war der Sohn des Herzogs Ludwig II. und seiner Frau Elisabeth, der
Tochter des hessischen Landgrafen Wilhelm II. Der 1526 im pfälzischen
Zweibrücken geborene Wolfgang verlor bereits 1532 seinen Vater. Er wurde von
der Mutter, deren Schwager, dem Pfalzgrafen Ruprecht, und dem lutherischen
Geistlichen Kaspar Glaser aus Pforzheim erzogen. Dieser vermittelte ihm die artes
liberales, einen Einblick in das weltliche Recht und in die Geschichte. Ein
Studium hat der Herzog nicht aufgenommen. Im Alter von 14 Jahren sandte man ihn
1540 zunächst an den kurpfälzischen Hof nach Heidelberg und 1541 an den
kurtrierischen Hof, freilich mit der Anweisung an den Hofmeister, darauf zu
achten, daß der Jungherzog nicht vom rechten Glauben abweiche.
1545 heiratete Wolfgang Anna, die Tochter des
Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen. Mit Erreichen der Volljährigkeit
übernahm der Herzog 1544 die Regentschaft. Die Rolle, die er in der
Reichspolitik der folgenden beiden Jahrzehnte spielte, kann hier nicht näher
ausgeführt werden. Nur drei Bereiche seines Wirkens seien hervorgehoben. Ein
zentrales Element ist die kurpfälzische Nachfolgeregelung: Bereits ab 1545
verhandelte man über das Erbe des 1559 kinderlos verstorbenen pfälzischen
Kurfürsten Ottheinrich. Heidelberg und die Kurwürde fielen an Friedrich aus der
pfalzgräflichen Linie von Simmern-Sponheim[2],
Herzog Wolfgang erhielt als Ausgleich die Hälfte der Hinteren Grafschaft
Sponheim und die Herrschaft Neuburg an der Donau. Wolfgangs Testament von 1568
führte zu einer Erbteilung an seine drei Söhne: Philipp ( 1614) begründete die
Linie Neuburg. Johann I. ( 1604) erhielt das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, und
mit Karl I. ( 1600) begann die Linie Birkenfeld; an ihn erinnert ein
aufwendiges Wandgrabmal in der Meisenheimer Schloßkirche[3].
Das Testament schuf eine Erb- und Sukzessionsordnung, welche die Primogenitur
zum Gesetz erhob. Das in unmittelbarer Folge aus der Birkenfelder Linie
abstammende Haus Wittelsbach führt noch heute den Veldenzer Löwen in seinem
Wappen.
Herzog Wolfgang bemühte sich intensiv um den inneren
Ausbau seiner Territorien, namentlich durch Mühlenbauten, und die
Landvermessung durch den Geometer Tilemann Stella (1563/64). Um den Abbau von
Silber und Quecksilber, aber auch von Alaun und Kupfer in Selberg, Landsberg
und Stahlberg voranzutreiben, berief der Herzog 1553 den Amberger Bergmeister
Matthias Zellmayer und den Schlettstädter Bergbauexperten Johann Haubensack,
der die entsprechenden Kapitel in Sebastian Münsters Cosmographie
geschrieben hatte. Außerdem konsultierte er den Nürnberger Stadtsyndicus Hans
Thein, den er ab 1559 gegen ein stattliches Gehalt von 240 Gulden im Jahr als
Amtmann und Berghauptmann nach Meisenheim berief. Diese Ämterbesetzung macht
die Ambitionen Herzog Wolfgangs ebenso deutlich wie die nach dem Vorbild von Joachimsthal
gestaltete Bergordnung von 1556 für den Stahlberg. Den Quecksilberbergbau am
Landberg übernahm das Augsburger Handelshaus Craffter, das Facharbeiter aus
Schwaz heranzog. Das Unternehmen, das in der Hochfinanz und im Tiroler Bergbau
eine gewisse Rolle spielte, mußte jedoch 1571 Konkurs anmelden. Der Tod des
Herzogs, vor allem aber der beträchtliche Schuldenberg, den er hinterließ,
verhinderten weitere Investitionen, so daß der Bergbau weitgehend zum Erliegen
kam. Trotz dieses Mißerfolgs war der Abbau von Silber über lange Zeit der
bedeutendste Wirtschaftszweig des Oberamts. Seit 1553 war Meisenheim Sitz der
herzoglichen Bergbauverwaltung. Den wirtschaftlichen Wohlstand zeigen nicht nur
die zahlreichen Bauten des 15./16. Jahrhunderts, sondern auch die
Prägetätigkeit der Meisenheimer Münze seit dem 14. Jahrhundert[4].
Schließlich ist auf die Kirchenpolitik hinzuweisen.
Wolfgangs Vater, Herzog Ludwig II., (1514-1532) duldete die Reformation. Ab
1523 wirkte Johann Schwebel als Hofprediger in Zweibrücken, wobei sich die
Nachbarschaft zur Ebernburg, dem Sitz des Ritters Franz von Sickingen, an dem
Martin Bucer predigte, für die Verbreitung der neuen Lehre als besonders
förderlich erwies. Ab 1529 wurde lutherischer Gottesdienst in der Schloßkirche
gehalten, 1535 fand eine erste Visitation statt, eine erste Landessynode 1539.
Nach der Übernahme der Regentschaft trieb Herzog Wolfgang den Ausbau des
landesherrlichen Kirchenregiments voran, was zu Auseinandersetzungen mit seiner
Verwandtschaft führte; der pfälzische Kurfürst Friedrich von Simmern zählte zu
den Anhängern der calvinistischen Richtung der Reformation. Nach Beratungen mit
Philipp Melanchthon wurde 1557 eine neue Kirchenordnung veröffentlicht, die
Wolfgang 1560 auch in Neuburg einführte. 1558 wurde zudem eine
Visitationskommission eingerichtet. Die strenge lutherische Orthodoxie zeigt
sich ebenfalls in Wolfgangs Grabinschrift, wonach er sich auch in gefährlichen
Zeiten zur reinen Lehre des Evangeliums bekannte, seine Kirchen vor dem
Götzendienst der Papisten (idolatria papistica) schützte, aus ihnen
andere Sekten, gemeint sind Calvinisten und Täufer, vertrieb (aliis sectis
abolitis) und so für die rechte Lehre sorgte. Auch das Schulwesen wurde
verbessert: Jedes größere Dorf sollte eine deutsche Schule besitzen, jede
Oberamtsstadt eine Lateinschule; in Meisenheim, Kusel, Bergzabern und
Zweibrücken öffneten sie 1558 ihre Pforten. Die Mittel dafür wurden aus dem
Besitz aufgehobener Klöster (Disibodenberg, Hornbach) genommen. 1559 gründete
Herzog Wolfgang das Gymnasium in Hornbach, das unter dem Einfluß des
Straßburger Humanismus stand; dort sollten die Schüler ihre Studien fortsetzen,
um dann später als Geistliche und Juristen in den Dienst des Herzogs zu treten.
1562 erfolgte die Gründung eines Gymnasiums in Lauingen[5].
Für den abenteuerlustigen Herzog war die Verwaltung
seiner beiden Herzogtümer nicht Herausforderung genug. Er versuchte sich als
Kriegsunternehmer und trat in den Dienst des Königs von Spanien. Weiter bot er
dem Kaiser die Teilnahme am Türkenkrieg an, brach 1566 dazu auf, aber der Tod
von Sultan Suleiman und der Rückzug des türkischen Heeres verhinderten eine
größere Operation; Wolfgang kehrte ohne größere Erfolge aus Ungarn zurück. Als
1568 der dritte Hugenottenkrieg begann, erhielt er vom Anführer der
niederländischen Calvinisten, Prinz Wilhelm von Oranien, und von den Hugenotten
die Einladung zu einem Feldzug gegen Frankreich. Herzog Wolfgang kündigte
seinen Vertrag mit Spanien und verpflichtete sich gegenüber König Heinrich von
Navarra, dem Prinzen Louis Condé und dem Admiral Gaspard de Coligny, auf eigene
Kosten ein Heer von 6000 Reitern, drei Regimentern zu Fuß und Geschützen
auszurüsten. Für die Anwerbung von mehr als 17.000 Mann nahm der Herzog
erhebliche Schulden auf. Über Metz, wo man die Rückgewinnung der drei Bistümer
Metz, Toul und Verdun für das Reich erhoffte, zog das Heer durch das Elsaß und
Burgund den Hugenotten entgegen. Im Mai 1569 konnte Wolfgang das stark
befestigte La Charité erobern, doch ein schlecht ausgeheilter Beinbruch, den er
sich bereits 1556 zugezogen hatte, übermäßiges 'Zutrinken', wie es in seinem
Testament heißt, und ein Fieber führten am 11. Juni 1569 zum Tod des erst
43jährigen Herzogs in Nexon bei Limoges[6].
Im folgenden Jahr endete der dritte von acht Hugenottenkriegen mit dem Frieden
von Saint-Germain, doch sollten sich noch weitere blutige Auseinandersetzungen
(Bartholomäusnacht 1572) anschließen, bis der Bürgerkrieg 1598 mit dem Edikt
von Nantes abgeschlossen werden konnte.
Bereits 1561 hatte der Herzog seinen Rat Dr. Ulrich
Sitzinger mit den Vorarbeiten zu einem Testament beauftragt, das er dann vor
Beginn seines Frankreichfeldzuges 1568 errichtete. Neben einer ausführlichen
biblischen Legitimation einer guten lutherischen Landesherrschaft und einer
Nachlaßregelung, welche für die Entstehung des Hauses Wittelsbach von großer
Bedeutung werden sollte, schrieb Wolfgang vor, daß er im Fall seines Ablebens
in seinem südlichen Territorium im Chor der Pfarrkirche in Lauingen begraben
werden wollte. Sollte er in seinem nördlichen Gebiet sterben, ordnete er an,
ihn in Zweibrücken oder bei seinen Vorfahren in Meisenheim zu bestatten oder an
einem Ort, da andere Christglaubige ruhen und der fröhlichen Aufferstehung
erwarten. In jedem Fall wünschte er, daß sein Körper nicht balsamiret,
sonder unzergengt gelassen werde. Wenn er an einem fremden Ort sterben
sollte, dann möchte er dort begraben werden. Weiter untersagte er, daß sie
unsern todten Körper nicht weit über Land führen. Außerdem wies er die
Erben an, für ein Begräbnis sonder übermäsiges Gepräng, sonder mit
gewöhnlichen christlichen Ceremonien und Leichenpredigten sowie für Gedenkzeichen,
Epitaphien und Monumenta Sorge zu tragen[7].
Mehrere Leichenpredigten in lateinischer und griechischer Sprache,
formvollendet in Versform gebracht, sind erhalten[8];
sie belegen den hohen Stand der Bildung an den zum südwestdeutschen
Humanistenkreis zählenden Pfalz-Zweibrücker Residenzen[9].
Nach seinem Tod am 11. Juni 1569 wurde der Leichnam
Herzog Wolfgangs geöffnet, sein Herz und die anderen Organe entnommen und in
der Kirche von Nexon beigesetzt. Die anderen Überreste bettete man in einen
holzverkleideten Bleisarg, den Leichenzug geleiteten 50 deutsche und 100
französische Reiter[10].
Nach einer feierlichen Leichenpredigt wurde der Herzog in der hugenottischen
Kirche in Angoulême beigesetzt. Eine Grabinschrift hielt u. a. seinen Namen,
seine Titel und seine Devise Vive memor leti "Lebe immer
eingedenk des Todes" fest; sie wurde auch auf die Meisenheimer Taler
geprägt[11].
Ähnliche Devisen waren bei Herrschaftsträgern des 16. Jahrhunderts weit
verbreitet: Kardinal Albrecht von Brandenburg brachte 1526 am Mainzer
Marktbrunnen die Formulierung O BEDENCK DAS END an, und Kaiser Maximilian I.
ließ die Inschrift "Halt Maß" an Dürers Ehrenpforte schreiben.
Der Satz geht vermutlich auf das Sprichwort quidquid agis prudenter agas et
respice finem zurück, das vielleicht auch auf Jesus Sirach 7,40 (Bei allem,
was du tust, bedenke das Ende) anspielt[12].
Es sollte bis zum 26. Oktober 1569 dauern, bis die Witwe und die beiden ältesten Söhne am Hof in Neuburg vom Tod des Herzogs eine sichere Nachricht erhielten. Erste Gerüchte hatte man der Witwe verschwiegen, andere besagten, der Fürst habe sich nach England begeben. Am 30. Oktober wurde in Neuburg ein Gottesdienst mit einer Gedächtnisrede veranstaltet. Die Eröffnung des Testaments förderte erhebliche Schulden zu Tage: 80.000 Gulden in Neuburg und 500.000 in Zweibrücken[13]. Trotz ihrer Finanzlage und entgegen dem testamentarisch geäußerten Wunsch des Herzogs beschloß Herzogin Anna, seinen Leichnam an ihren Witwensitz Meisenheim überführen zu lassen.
Solche Übertragungen von verstorbenen Herrschaftsträgern auch über weite Strecken hinweg waren im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit keineswegs ungewöhnlich. So starb Kaiser Otto III. 1002 in Sizilien und wurde auf seinen Wunsch hin bei dem heiligen Kaiser Karl in Aachen beigesetzt. Kaiser Konrad II. starb 1039 in Utrecht; sein Grab fand er in Speyer. Gerade für Kreuzfahrer ist die Entfernung sämtlicher verweslicher Überreste 'more Teutonico' mehrfach belegt, wurde aber auch bei dem heiligen König Ludwig IX. angewandt, der 1270 in Karthago starb und dessen Überreste nach Saint Denis gebracht wurden[14]. 1309 ließ König Heinrich VII. die sterblichen Überreste seiner beiden Vorgänger exhumieren und in den Speyerer Dom überführen: König Albrecht von Habsburg war nach seiner Ermordung 1308 zunächst im Zisterzienserkloster Wettingen im Aargau beigesetzt worden; sein Vorgänger Adolf von Nassau ( 1298) ruhte im pfälzischen Zisterzienserinnenkloster Rosenthal. Die Gesta Treverorum vergleichen den Luxemburger mit dem Tobias des Alten Testaments. In dem apokryphen Buch wird die besondere Verpflichtung der Kinder hervorgehoben, für das ehrenvolle Begräbnis ihrer Eltern Sorge zu tragen[15]. Über die religiöse Pflicht hinaus, als eines der sieben Werke der Barmherzigkeit die Toten zu begraben, machen die Beispiele deutlich, daß dem Grab eines toten Bischofs oder Königs in seiner Residenz offensichtlich eine ganz erhebliche politische Bedeutung zukam.
Besonders bekannt geworden ist die Geschichte Johannas der Wahnsinnigen, die 1506 den Leichnam ihres Gemahls Philipp des Schönen, des Königs von Kastilien, in einer schaurigen Irrfahrt von Miraflores bei Burgos nach Granada überführen ließ[16]. Schließlich kann als Vergleichsbeispiel auf den Kölner Hansesyndikus Heinrich Sudermann verwiesen werden, der am 31. August 1591 auf dem Lübecker Hansetag starb. Vor seinem Tod bat er, wie der Kölner Chronist Hermann Weinsberg berichtet, die anderen Kölner Gesandten inständig, sie möchten seinen Leichnam nach Köln überführen lassen, da er zu Minderbrodern bei sinen eltern begerte begraben zu werden. Auch das Memorienregister des Klosters überliefert seinen Wunsch, in patrio sepulchro tumulari und nicht etwa in Lubecae aput haereticos bestattet zu werden. Wenn dies offentlich nicht möglich wäre, so sulten sie innen zu stucken laissen hauwen und die bein und stuck heimlich dahin schicken, oder in verbrennen, die eschs in ein dubben toin und dahin prengen. Die Lübecker hatten jedoch Bedenken, den Verstorbenen uff dem wege, die wenige catholischn da befonden wurden, zu transportieren. Deshalb verpackten die Kölner Gesandten den Leichnam als Kaufmannsgut in Ochsenfelle und verschickten ihn über einen nicht genannten dritten Ort nach Köln (das die das doite lichnam in aichsen-velle gepackt und von stunt an vor kaufmansballen an fremde orter verschickt, da er heimlich behalten bis zu gelegenen zeiten). Hier wurde er fünf Wochen später, am 27. Oktober 1591, in der Familiengruft beigesetzt[17].
Um die Überführung Herzog Wolfgangs in die Wege zu leiten, sandte Herzogin Anna die beiden Räte Heinrich Schwebel und Johann Wolf zu dem ehemaligen Gegner König Karl IX. von Frankreich und seiner Mutter Katharina von Medici. Sie sollten mitteilen, daß die Witwe das militärische Unternehmen ihres Gatten bedauere und seinen Leichnam überführen wolle. Am französischen Hof hatte man keine Einwände, schlug allerdings eine Verschiebung bis zum Friedensvertrag vor, der dann 1570 in Saint-Germain abgeschlossen wurde. Schließlich gab man dem Drängen der Herzogin nach und erlaubte eine Überführung zu Land nach Metz. Davon rieten freilich die Hugenotten ab, denn sie erinnerten daran, daß das Heer des Herzogs auf seinem Durchzug einiges an Verwüstung hinterlassen hatte. Die beiden Gesandten reisten unverrichteter Dinge zurück. Im April 1571 reiste Wolf nochmals zu den Hugenotten, wo er nach hartnäckigen Verhandlungen einen Transport auf dem Seeweg durchsetzte. Er brachte den Leichnam am 8. Juni 1571 von Cognac wohin ihn die Hugenotten vor der Räumung von Angoulême zwischenzeitlich verbracht hatten nach La Rochelle. Da der Lübecker Schiffer aus Aberglauben den Transport eines Leichnams verweigert hätte, verpackte man den Sarg mit den Überresten des Herzogs in ein größeres, gut verschnürtes Paket, dessen Inhalt Wolf als Gewehre und Rüstungen deklarierte, und das man dann nachts an Bord des ansonsten mit Salz beladenen Schiffes brachte. Auch die Überfahrt verlief nicht reibungslos, nach der Abreise am 14. Juli trieb ein Sturm die Schiffe bis an die spanische Küste. Englische und norwegische Seeräuber bedrohten die kleine Flotte. Nachdem ein Versuch, die Fracht in Kopenhagen an Land zu bringen, gescheitert war, erreichte das Schiff am 11. August Lübeck, wo die Entdeckung des Geheimnisses für beträchtlichen Ärger sorgte.
Die herzoglichen Räte zeigten dem Lübecker Rat die Ankunft eines hochadeligen Verstorbenen an, der daraufhin in einer Kirche aufgebahrt wurde, wo man eine Leichenpredigt hielt. Beim Auszug aus der Stadt lag der Sarg auf einer Bahre, war mit dem herzoglichen Wappen geschmückt, die Bürgermeister, der Rat und die Bevölkerung gaben ihm das Geleit. Auf dem Landweg ging es dann weiter über Lüneburg, Braunschweig, die hessische Residenzstadt Kassel und Hofheim bei Darmstadt. In Moschellandsberg nahm am 21. September der älteste Sohn Philipp Ludwig den Leichnam seines Vaters in Empfang und brachte ihn nach Meisenheim, wo er am 23. September 1571 eintraf. Die ganze Burgerschaft sambt weibern zog dem verstorbenen Landesherrn in ihren trauer Kleidern vor dem Untertor entgegen. Die Leich wurde herrlich begleitet und getragen von zwölf Persohnen von Adel. Der Leichenzug durch die Stadt war so lang, daß die Spitze schon in der Kirche war, während der Schluß noch auf der Glanbrücke stand. Vor der Bahre gingen drei Pferde, die gänzlich mit schwarzem Batist bedeckt waren; ihre Hufeisen hatte man mit Filz verhüllt. Auch in der Kirche waren alle Stühle und die Kanzel mit schwarzem Stoff bedeckt. Drei Fahnen, die von drei Adeligen dem Leichenzug vorangetragen wurden, hängen zur Erinnerung in der Grabkapelle[18].
*
Meisenheim am Glan, 1154 erstmals urkundlich
erwähnt, war Residenz der Grafen von Veldenz und fiel nach deren Aussterben
1444 an die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken, denen es bis 1798 als Oberamtsstadt
und Nebenresidenz diente[19].
Die am Schnittpunkt mehrerer Straßen gelegene Kleinstadt, die seit 1315 die
Freiheiten von Oppenheim besaß, war seit dem 14. Jahrhundert eine Münzstätte;
1504 wurde ein Jahrmarkt eingerichtet. 1609 zählte die Stadt 1018 Einwohner. Im
16. Jahrhundert erlebte Meisenheim eine Blütezeit, wozu nicht zuletzt auch der
Bergbau beitrug. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Adelshöfe sowie Bauten
der Bürger und der Stadt (spätgotisches Ratshaus 1508, Markthalle um 1550), vor
allem aber der Herzöge, denen das in der Frühen Neuzeit nie zerstörte
Meisenheim mit seiner Mauer, seinen drei Toren und seiner charakteristischen
Topographie seinen Ruf als pfälzisches Rothenburg verdankt. Der 1459 begonnene
Neubau des Schlosses, der Stephansstock, ist immerhin noch auf Merians
Stadtansicht von 1645 zu erkennen; er brannte 1734 ab; erhalten ist dagegen das
1614 als Witwensitz erbaute Herzog Wolfgang-Haus.
Das bekannteste Bauwerk Meisenheims ist die
evangelische Schloßkirche. Sie wird 1279 als Pfarrkirche erwähnt und befand
sich von 1321 bis 1532 im Besitz des Johanniterordens. Der bedeutendste
spätgotische Kirchenbau am Mittelrhein wurde 1479 unter Herzog Ludwig dem
Schwarzen begonnen und bereits 1504 fertiggestellt[20].
Baumeister war der Frankfurter Architekt Philipp von Gmünd, der ab 1488 auch
die Pfarrkirche in Monzingen an der Nahe und ab 1493 die Alexanderkirche in
Zweibrücken erbaute. Besonders hervorzuheben ist in Meisenheim der 52 Meter hohe
dreizonige Turm. An die dreischiffige Hallenkirche mit ihren fünf Jochen
schließen sich im Osten ein quadratischer Vorchor und ein 7/10-Chorpolygon
sowie die Sakristei und die ebenfalls neben dem Vorchor gelegene Grabkapelle
an; die Zwischenwände wurden erst nachträglich eingezogen. Eine vergleichbare
Konzeption ein eher schmaler Anbau, die Annenkapelle, das sogenannte Epitaphium findet sich auch in
Simmern. Die Grabkapelle in Meisenheim ist durch einen Zugang vom südlichen
Seitenschiff aus, dessen Verlängerung sie im Grundriß darstellt, zugänglich.
Außerdem konnte sie von den Johannitern und anderen Geistlichen durch ein mit
Stabwerk reich geschmücktes Portal vom Vorchor aus betreten werden. Das
schmiedeeiserne Gitter, das die Kapelle verschließt, ist noch ursprünglich.
Besonders das aufwendige Gewölbe der Kapelle sticht
ins Auge: Die sich teilweise überkreuzenden Rippen bilden ein freischwebendes
Netz, das unter einem weiteren sechseckigen Netz aus den Maßwerkrippen des
Gewölbes hängt. An den Schnittpunkten sind im Westen, also über dem Zugang zur
Kirche, drei Wappenschilde (Pfalz-Wittelsbach, Pfalz-Veldenz, Croy) angebracht.
Der mittlere Teil des Gewölbes zeigt eine Maria mit Kind, umgeben von Symbolen
der vier Evangelisten, und der östliche den gekreuzigten Christus zwischen
Maria und Johannes. Unter diesen Medaillons dürfte sich bis zur Reformation ein
Altar befunden haben, dessen Patrozinium wie das der Kapelle nicht bekannt
ist[21].
Es handelt sich um die planvolle Anlage einer Familiengrablege durch den
Bauherrn Herzog Ludwig, der in der darunter befindlichen 'Ludwigsgruft' ruht.
Über der Gruft und den Grabmälern breitet sich der herzogliche Himmel aus, in
den die Auferstandenen am Jüngsten Tag aufgenommen werden. Von der Kirche aus
waren Deckenkonstruktion und Grabmäler, Wandmalereien[22],
vermutlich auch Altarbild und Glasfenster, als Einheit wahrzunehmen. Womöglich
konnten die Nachfolger der Verstorbenen von der Fürstenloge auf der Südseite
der Kirche aus einen Blick in die Grabkapelle werfen[23].
Weiter ist die vor dem Hochaltar gelegene, nach
Herzog Stephan ( 1459) benannte 'Stephansgruft' zu nennen. In ihr liegen 25,
in der 'Ludwigsgruft' 21 Angehörige des Hauses Pfalz-Zweibrücken-Wittelsbach
begraben. Im 18. Jahrhundert waren 39 Grabdenkmäler in der Kirche vorhanden[24].
Die Zahlen unterstreichen nachdrücklich die Rolle von Meisenheim als
Nebenresidenz und Witwensitz in der Frühen Neuzeit.
*
In der Meisenheimer Schloßkirche erinnern
Grabdenkmäler an einige Angehörige der Familie, an Herzog Karl von
Zweibrücken-Birkenfeld ( 1600) sowie an die Pfalzgräfinnen Anna ( 1576),
Christine ( 1619) und Karola Friederike ( 1712). Sie füllen die Grabkapelle
bis zum letzten Platz aus. Hinzu kommen eine Reihe von Grabmälern für Pfarrer,
Amtleute, Offiziere und Adelige an der Südseite der Kirche, darunter das des
Grafen Georg II. von Veldenz ( 1377).
Besondere Aufmerksamkeit erregt das aufwendige
Grabmal des Herzogs Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken und seiner Frau Anna von
Hessen an der Nordwand der Grabkapelle, wo es den gesamten Raum zwischen zwei
Dienstbündelpfeilern ausfüllt[25].
Das 6,6 Meter hohe und 3 Meter breite Monument ist aus Tuff aus Weibern im
Brohltal angefertigt, die Inschriftentafeln sind aus Hunsrückschiefer. Über dem
eigentlichen Sockel ist zunächst eine Zwischenzone angebracht, die zwei
rechteckige Tafeln mit einem 15- bzw. 16zeiligen Nachruf auf die Verstorbenen
beherbergt; in der Mitte befindet sich eine Figur der Gerechtigkeit, die ihre
Waage präsentiert. Die Tafeln sind in einen Rahmen eingefügt, der mit Rollwerk,
Engelsköpfen, Hermen, Genien, Fruchtgehängen (Festons) und Todessymbolen
(gebundene Knochenbündel, Schaufeln, Hacken, Stundenglas) reich dekoriert ist.
Über dieser Zone erhebt sich eine bühnenhafte
Ädikula, zwei freistehende Pfeiler, die ein breites Gebälk tragen. Sie weisen
prachtvoll gestaltete Postamente sowie Kapitelle auf. An ihnen sind vier reich
geschmückte Wappenschilde angebracht. Sie werden durch Inschriftentafeln auf
den dahinterliegenden Pilastern bezeichnet, links sind es Hohenlohe, Hessen,
Sachsen und Braunschweig, rechts Hessen, Pfalz, Mecklenburg und Polen[26].
An den Pfeilerspiegeln sind Karyatiden, Festons, Granatäpfel und Tiere
angebracht, ein üppiges Dekorationsprogramm, wie man es auch bei anderen
Epitaphien der Spätrenaissance findet. Die Gebälkkonstruktion bricht in der
Mitte ab und mündet in zwei Konsolen. An ihnen sind unten zwei weitere,
kunstvoll gerahmte Inschriftentafeln befestigt, auf ihnen sitzt ein Rundbogen
auf; in der halbrunden Zwischenzone ist der segnende Gottvater mit der Taube
des hl. Geistes inmitten einer Engelsgloriole dargestellt. In den Zwickeln der
viereckigen Füllung sind Fruchtkörbe und Ranken zu sehen.
Darüber ist ein antikisierender, mit zwei
Löwenköpfen geschmückter Sarkophag angebracht, der mit einem Relief des Todes
und dessen Attributen (Knochen, Bahre, Stundenglas, Schaufel) geschmückt ist.
Zwei liegende Löwen flankieren ein aufwendig mit Rollwerk verziertes
Rundmedaillon, das die Himmelfahrt Christi zeigt. Bekrönt wird die Mittelzone
von einer Figur der christlichen Kardinaltugend der Liebe. Ihr entsprechen
Personifikationen von Glaube und Hoffnung, die links und rechts davon auf den
beiden von prächtigem Rollwerk umgebenen freistehenden Hauptwappen
Pfalz-Zweibrücken und Hessen stehen, welche sich auf den Pilastern befinden[27].
Hinzuweisen ist noch auf den gemalten "Trauerrand", der das Denkmal
umgibt; er ist zeitgenössisch[28].
Ähnliche Rahmen finden sich auch am Rheingrafenepitaph und an zwei weiteren
Grabmälern in St. Johannisberg[29].
Die Pfeilerädikula konstituiert einen dreidimensionalen Bildraum, in dem die Verstorbenen als lebensgroße vollplastisch gearbeitete Bilder dargestellt sind, zu denen der Betrachter allein schon aufgrund des Sockels und der geringen Breite der Kapelle emporblicken muß. Auf der linken, der heraldisch rechten Seite kniet Herzog Wolfgang in einer Prunkrüstung, deren ornamentale Verzierung ebenso detailliert wiedergegeben wird wie der prunkvolle Dolch, die Halskrause und die dreifach um den Hals geschlungene Kette. Seinen Prunkhelm und die Handschuhe hat er vor sich abgelegt. Ihm gegenüber kniet seine Gattin, die ein langes schlichtes Kleid und eine Haube trägt. Das Herzogspaar ist im strengen Profil auf das in der Mitte plazierte Kruzifix ausgerichtet. Dieses bildet die kompositorische Mittelachse des Denkmals, die von der Gerechtigkeitsfigur unten begonnen wird und durch die beiden Medaillons hindurch bis zu der Figur der Liebe verläuft. In horizontaler Hinsicht kommt dem Kreuzbalken eine Schlüsselposition zu, er schließt an der Stelle, an der die Gebälkkonstruktion in der Mitte auseinanderklafft, die entstehende Lücke, wodurch das Kreuz ein weiteres Mal betont wird. Der Hintergrund ist monochrom ausgemalt, es ist die gleiche Farbe wie bei dem "Trauerrand". Daß bei einem so aufwendigen Grabmal eine "Rückwand" fehlt, die bei anderen Epitaphien durch Vorhänge, eine Nische oder Architekturformen gebildet wird, erscheint ungewöhnlich. Vielleicht wollte der Bildhauer einen Kontrast zu dem reichhaltigen Schmuck des zudem hellen Tuffstein schaffen. Möglicherweise ist der Architekturrahmen auch nicht als Bildraum, sondern als Durchgangszone, als ein Bogenmotiv, das Kirchenraum und Paradies, Diesseits und Jenseits, Augenblick und Ewigkeit miteinander verbindet, und an dessen Schwelle sich das kniende Herzogspaar befindet, zu deuten [30].
Der steinige Boden, auf dem das Herzogspaar kniet, stellt den Berg Golgatha dar, wie ein Totenschädel, eine Kröte und eine unter dem Knie des Herzogs herausschauende Eidechse verraten. Von der Eidechse nahm man an, daß sie giftig war und in Gräbern lebte. In den Sprüchen Salomons wird sie als klüger als die Sonne bezeichnet (Spr 30, 24 u. 28). Im Alter erblindete Eidechsen können wieder sehen, wenn sie ihre Augen der aufgehenden Sonne zuwenden; ebenso soll der Mensch die Sonne der Gerechtigkeit suchen[31]. Auch die Kröte galt als unreines und giftiges Tier, das häufig als Symbol des Teufels, der Vanitas, einiger der Laster, der Häresie und als Attribut des Todes verwendet wurde[32]. Da sie zu Unrecht als Aasfresser angesehen wurde, findet sie sich gelegentlich in der Funeralplastik, so am Grabmal des Trierer Erzbischofs Jakob von Sierck von 1462, das Herzog Wolfgang ebenso gekannt haben dürfte wie das seines Schwiegervaters Wilhelm II. von Hessen aus dem Jahre 1516 in Marburg[33]. Verwiesen sei außerdem auf die Doppelgrabplatte des Wilhelm von Schwalbach und seiner Frau Anna von der Leyen (beide 1483) im Bopparder Karmeliterkloster: Wilhelm steht auf einem Löwen, seine Frau auf einem Hund. Das Ehepaar ist von Schlangen, Kröten und Eidechsen umgeben[34]. Kröten wurden vielfältige magische und medizinische Wirkungen zugeschrieben, u. a. galten sie nach Paracelsus als Heilmittel gegen die Pest, da sie, an Kniekehle oder Fuß gebunden, angeblich das Gift bzw. die Fieberhitze aus dem Körper herauszogen[35]..
In jedem Fall sind die Kröte und die Eidechse ein aufschlußreicher
Hinweis auf das Fortwirken mittelalterlicher Tierallegorese am Grabmal eines
lutherischen Herzogs. Dies ist kein singulärer Beleg. Als 1561 die Herzogin
Anna im Kindbett erkrankte, wurde Burkhard Mithobius, der Leibarzt der
Landgrafen von Hessen, von Marburg nach Neuburg gerufen. Die Herzogin hielt
aber nichts von Doktoren und griff lieber auf einen wundertätigen Stein zurück,
der bereits ihrer Mutter im Kindbett geholfen hatte[36].
Der Nachweis einer lithotherapeutischen Behandlung läßt natürlich aufhorchen,
denn der Trierer Domdekan Christoph von Rheineck, an den in der
Liebfrauenkirche das aufwendigste Grabmonument der Renaissance im westdeutschen
Raum erinnerte, vermachte in seinem Testament von 1535 der Trierer Kartause drei Krötensteine, zwei Natternzungen
(ebenfalls fossile Haifischzähne) und ein Stück Einhorn, das er von seiner Mutter zum frommen Gedächtnis
erhalten habe. Die Steine sollten an einer Silberkette befestigt, in einem
Reliquienschrein verwahrt und nur zur Heilung von Kranken entnommen werden[37]. Das Rheineck-Testament liefert einen wichtigen
Hinweis darauf, daß die Vorstellung von der magischen Heilkraft der Edelsteine
im 16. Jahrhundert sowohl bei führenden Vertretern der lutherischen Richtung
als auch bei den Repräsentanten des alten Glaubens verbreitet war; Rheineck
zählt zu den Organisatoren der Hl. Rock-Wallfahrten seit 1512.
Entscheidend für die Deutung des Grabmals Herzog Wolfgangs
sind die Inschriften. Das Medaillon der Auferstehung wird durch den umlaufenden
Text erläutert: "Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich
glaubt, der wird leben, auch wenn er gleich stürbe" (Joh 11,25)[38].
Bei der Darstellung des segnenden Gottvaters ist zu lesen: "Dies ist mein
lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören" (Matth
3,17, vgl. aber 17,5). Dem Herzogspaar sind zwei Inschriftentafeln zugeordnet,
die ebenfalls Bibelzitate enthalten. Bei Wolfgang ist zu lesen: "Ich weiß,
daß mein Erlöser lebt, er würde mich hernach aus der Erde aufwecken. Und werde
danach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott
sehen" (Hiob 19,25-26)[39].
Bei der Herzogin steht: "Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen
eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden,
sondern das ewige Leben haben" (Joh 3,16).
Die vier Inschriften kreisen um das Thema Tod und
Auferstehung am Jüngsten Tag: Christus ist für uns gestorben und deshalb werden
wir das ewige Leben haben. Zwei Tafeln sind den Verstorbenen als persönliche
Bekenntnisse zugeordnet, die beiden anderen bezeichnen die Darstellungen der
Medaillons; die Gesamtkonzeption trägt dazu bei, diese Botschaft auch optisch
zu vermitteln, wobei das Kruzifix, vor dem das Herzogspaar kniet, den
ikonographischen Mittelpunkt des Epitaphs bildet. Entscheidend ist dabei die
eschatologische Deutung, die Barbara Ernst-Hofmann anhand von Lukas Cranachs
Spalatin-Bildnis für das dem Meisenheimer Monument eng verwandte Öhringener
Hohenlohe-Grab entwickelt hat. "Das Kruzifix ... war für Luther das
Andachtsbild schlechthin. Der Blick auf das Bild des Gekreuzigten führte ihm
immer wieder das wichtigste Ereignis der Heilsgeschichte vor Augen, die Erlösungstat
Christi. Sie war ihm der größte Beweis für die Grade Gottes. Sie schenkt den
Gläubigen die Gewissheit auf ein Leben nach dem Tod und spendet Kraft und
Zuversicht in den Zeiten des Zweifels und der Not. In dieser Interpretation
symbolisiert das Kruzifix den Kern seiner Lehre von der Rechtfertigung des
Sünders allein durch den Glauben. Demzufolge wurde die Darstellung ... unter
dem Bild des Gekreuzigten ... als eine Dokumentation seines Glaubens und nicht
als ein Rückfall in den 'papistischen' Götzendienst verstanden"[40].
Während die vier Bibelzitate bereits durch die
deutsche Sprache ein Bekenntnis zur lutherischen Konfession darstellen, sind
die beiden gut lesbaren Hauptinschriften der Sockelzone in Latein abgefaßt.
Zwischen ihnen ist die Figur der weltlichen Kardinaltugend der Justitia
angebracht; es läßt sich also ein Sockelbereich mit eher weltlichen bzw.
vergänglichen Botschaften von einem darüber befindlichen religiösen, zur
Auferstehung orientierten Inschriften- und Bilderkomplex unterscheiden, der von
den drei geistlichen Kardinaltugenden bekrönt wird. Wolfgangs Grabinschrift
nennt zunächst die Namen seiner Eltern und verweist darauf, daß er ein
Ururgroßenkel Kaiser (!) Ruprechts ( 1410) gewesen sei. Als Fürst habe er Ruhm
erworben durch Gerechtigkeit, Tapferkeit und edle Gesinnung. Er habe sich zur
reinen Lehre des Evangeliums bekannt, die Kirche vor dem Götzendienst der
Papisten beschützt und auch die Anhänger der anderen Sekten vertrieben. Er
gründete zwei Gymnasien und nahm an Feldzügen gegen die Türken und Franzosen
teil. Nachdem er am 11. Juni 1569 im Alter von 43 Jahren, acht Monaten und 22
Tagen gestorben war, hat die höchstbetrübte Gattin mit ihren Söhnen den
Leichnam über Land und Meer überführen und am 23. September 1571 in der Gruft
des Urgroßvaters Ludwig bestatten lassen. Nicht wesentlich kürzer ist die
Grabinschrift seiner Witwe: Annas Eltern werden genannt und ihre Frömmigkeit,
ihre Sittenreinheit und ihre Wohltätigkeit gegenüber den Armen hervorgehoben.
In 24 Ehejahren gebar sie fünf Söhne und acht Töchter; zehn von ihnen
erreichten fromm erzogen das Erwachsenenalter, sechs heirateten und bescherten
ihr zahlreiche Enkel. Nach dem Tod ihres Mannes folgten 22 ehrenvolle
Witwenjahre. Hier erwies sich Anna insbesondere als Wohltäterin der Armen in
Meisenheim, Zweibrücken und Neuburg. Am 10. Juli 1591 starb sie, nachdem sie in
ihrem irdischen Jammertal 61 Jahre, acht Monate und 15 Tage verbracht hatte.
Die betrübten Kinder und Enkel ließen ihren Leichnam 'in dieser Gruft bei ihrem
Mann bestatten, wo sie mit allen an Christus Glaubenden eine fröhliche
Auferstehung von den Toten zum ewigen Leben erwartet. Amen'
Der 1569 verstorbene Herzog Wolfgang wurde also 1571
in der Gruft beigesetzt; seine Gattin folgte 1591; ihre Grabinschrift kann
folglich erst in diesem Jahr angefertigt worden sein. Für die Datierung des
Grabmals gibt die bei den Wappen angebrachte Jahreszahl 1575 einen Hinweis.
Weitere Angaben lassen sich aus Rechnungen und Korrespondenzen mit der
Herzogsfamilie erschließen. Danach war der Bildhauer des Monuments Johann von
Trarbach ( 1586), der daran auch sein Steinmetzzeichen angebracht hat.
Trarbach ist urkundlich erstmals 1557 nachweisbar und betrieb in Simmern, wo er
es bis zum Bürgermeister brachte, ein großes und leistungsfähiges Atelier.
Seine Hauptwerke sind die Grabmäler der Herzogsfamilie in der Stephanskirche in
Simmern, seine Arbeiten fanden aber auch bei anderen Adelsfamilien weiten
Absatz; sie wurden u. a. nach Baden-Baden, Pforzheim, Öhringen und Hanau
geliefert; eine enge Kooperation verband ihn mit dem Bildhauer Hans Ruprecht
Hoffmann, der im katholischen Trier eine große Werkstatt für Grabdenkmäler,
Altäre und Kanzeln betrieb[41].
Trarbach ist der wichtigste Vertreter der Hunsrückrenaissance und braucht den
Vergleich mit Kollegen, die etwa die Grabdenkmäler der Erzbischöfe im Trierer
und im Mainzer Dom errichteten, nicht zu scheuen[42].
Er legte der Fürstenfamilie 1571 einen Entwurf vor und reiste insgesamt fünfmal
zu Besprechungen nach Zweibrücken und Meisenheim; parallel dazu wurde das 1573
errichtete Grabmal des Philibert von Baden angefertigt. Das in Simmern
hergestellte Epitaph für Herzog Wolfgang wurde 1575 nach Meisenheim
transportiert und aufgestellt; Trarbach erhielt dafür die stolze Summe von 510
Gulden[43].
Zum Vergleich sei ein kurzer Blick auf ein anderes
Werk des Bildhauers geworfen: 1568 schloß Trarbach mit den beiden Söhnen des im
gleichen Jahr verstorbenen Grafen Ludwig Casimir von Hohenlohe einen Vertrag
über die Herstellung des Grabmals in der Stiftskirche zu Öhringen. Trarbach
sollte für das mindestens 18 Schuh hohe und 10 Schuh breite Monument Andernacher stain verwenden. Acht
Ahnenwappen waren vorgesehen, weiter ein Medaillon mit der Uferstehung Christi. Oben sollten die bildtnus der hey. trifaltigkeit und ein Kruzifix angebracht werden,
uf der rechten graf Ludwig Casimirs
abcontrafehung und bildnußen in einem küris .... und auf der linken Seite
ein Bildnis seiner Frau Anna von Solms-Laubach, für deren Verwandtschaft der
Bildhauer bereits gearbeitet hatte. Trarbach sollte das Werk mit artlichen Columnis anfertigen und anderen zierlichen künstlichen und
artlichen und beßten bildt und laubwerkh zum aller schönsten verfertigen.
Auf eigene Kosten solle er das Grabmal, für dessen Herstellung anderthalb Jahre
eingeplant waren, bis Wimpfen transportieren. Als Honorar waren der Vertrag
läßt ein zähes Feilschen erkennen 800 Gulden vorgesehen[44].
Damit war das Öhringer Epitaph wenn man denn die Preisangaben miteinander
vergleichen darf wesentlich teurer als das für Herzog Wolfgang (510 Gulden).
Erheblich kostengünstiger waren dagegen die "Kopie" in St.
Johannisberg (400 Gulden) und das Monument für Wolfgangs Sohn Karl I. von
Birkenfeld (320 Gulden).
Was das Denkmal in Öhringen über die Erkenntnisse aus dem Vertrag und über den Herstellungsprozeß hinaus so interessant macht, ist die Tatsache, daß es den Blick auf die Frage des Grabmaltyps lenkt. Auftraggeber und Bildhauer hatten bezüglich Standort, Größe und Material (Bronze, Marmor, Tuff), Anzahl, Schrift und Sprache der Inschriften, Zahl und Schmuck der Wappen, ikonographische Konzepte, Umfang und Detailreichtum der Dekorationsprogramme etc. eine Vielzahl von Entscheidungen zu treffen. Hierzu zählte auch die Frage, ob der Verstorbene als flaches Relief, als Halbfigur oder als vollplastisches Bild dargestellt werden sollte. Während im Mittelalter die Liegefigur auf einer Tumbenplatte das vorherrschende Modell war, entwickelte die Renaissance mehrere Darstellungsformen, deren unterschiedliche ikonographischen Aussagen bisher nicht eindeutig geklärt ist. Die wichtigsten Typen sind die unter einem Architekturrahmen plazierte Standfigur, das vor einem Kreuz kniende Bild des Verstorbenen und die auf der Seite liegende lesende Figur[45]. Die Bilder von Herzog Wolfgang und seiner Frau gehören also zu einem recht weit verbreiteten Darstellungstypus, für den man den Terminus "Ewige Anbetung" vorgeschlagen hat[46]. Auch wenn damit die Frage der inhaltlichen Deutung noch nicht eindeutig geklärt ist, so lassen sich zumindest eine Reihe von Parallelen benennen, welche die Popularität dieses Typus unterstreichen; neben dem Grabmal in Öhringen das des Markgrafen Philibert von Baden ( 1569) in der Stiftskirche Baden-Baden sowie dasjenige des Wild- und Rheingrafen Johann Christoph ( 1585) in der ehemaligen Stiftskirche St. Johannisberg; letzteres ist ein Werk des Trarbach-Nachfolgers Hans Trapp, welches bis in die Bibelzitate fast eine Kopie des Meisenheimer Monuments darstellt[47]. Weitere Vergleichsbeispiele, die Trarbach sicherlich kannte, sind das Grabmal des Erzbischofs Uriel von Gemmingen ( 1514) im Mainzer Dom, das diesen mit den Mainzer Bistumspatronen Martin und Bonifatius vor dem Kreuz zeigt, sowie das des 1531 verstorbenen Trierer Erzbischofs Richard von Greiffenklau im Trierer Dom, den die Bistumspatrone Helena und Petrus begleiten[48].
*
Das Epitaph Herzog Wolfgangs und seiner Frau Anna erweist sich als Schlüsseldokument für das Thema Grab und Residenz im 16. Jahrhundert. Zunächst einmal bedingte die kleinräumige Herrschaftsstruktur im territorial zersplitterten Südwesten eine beträchtliche Zahl von Herrschaftsgebieten, eine Situation, die durch häufige Besitz- und Konfessionswechsel noch erheblich kompliziert wurde. Für fast jede Residenz läßt sich eine Grablege feststellen, wobei man für das Land zwischen Rhein, Mosel und Saar mit ganz erheblichen Verlusten, bedingt durch Kriegszerstörungen des 17./18. Jahrhunderts, rechnen muß. Den Höhepunkt stellen dabei die Denkmäler der Herzöge von Pfalz-Simmern dar, die ihre Grablege zunächst in Meisenheim und dann in der Kirche des Augustiner-Chorherrenstifts in Ravengiersburg hatten. Herzog Johann I. erbaute von 1486 bis 1509 in Simmern die Stephanskirche mit der Annenkapelle, in der von 1509 bis 1598 eine ganze Serie von monumentalen Grabdenkmälern aufgestellt wurde, die zu den Meisterwerken der Renaissance-Bildhauerei im deutschen Südwesten zählt. Als Vergleichsbeispiel bietet sich ferner die vor Saarbrücken gelegene Stiftskirche St. Arnual an, die über fast zwei Jahrhunderte hinweg, von 1456 bis 1635, als Nekropole der Grafen von Nassau-Saarbrücken diente. Als weitere Grablegen lassen sich Gmünden (Schmidtburger), Kirn (Wildgrafen), Rockenhausen (Veldenz-Lauterecken), Birkenfeld, Remigiusberg und Zweibrücken (Pfalz-Zweibrücken), Kirchberg (Koppensteiner), Kastellaun, Bad Kreuznach und Bad Sobernheim (Sponheimer) und St. Johannisberg (Wild- und Rheingrafen) anführen.
Die Liste macht deutlich, daß es einen engen
Zusammenhang von Grab und Residenz gibt. Dieses Faktum ist nicht überraschend,
denn bereits 1974 entwickelte Hans-Walter Herrmann in einer bis heute gültigen
Studie über Residenzen zwischen Oberrhein und Mosel ein Kriterienbündel zur
Analyse der zahlreichen, zum Teil recht kleinen Städte in diesem Raum[49].
Die Residenzen waren Sitz geistlicher und weltlicher Zentralbehörden, von
Hospitälern und Waisenhäusern, von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen,
von Druckereien und Apotheken. Die zumeist recht kleinen Städte Saarbrücken
wird um 1600 ungefähr 2000, Meisenheim und Zweibrücken um die 1000, Lauterecken
und Simmern etwa 650 Einwohner gezählt haben besaßen eine besondere
rechtliche Stellung, eine spezifische, durch die administrativen Funktionen
geprägte Gewerbe- und Sozialstruktur[50]
und nicht zuletzt Hof- und Residenzbauten sowie eine Schloßkirche mit
Familiengruft. Grablegen sind im 15./16. Jahrhundert ein konstitutives Element
einer jeden Residenz.
1992 hat Kurt Andermann eine nicht minder
grundlegende Studie über die sakrale Dimension von Residenzen vorgelegt, in der
er eine große Zahl von Herrschaftssitzen im Reichsgebiet untersuchte. Er bezog
dabei sowohl die Ausstattung mit geistlichen Institutionen als auch die
Grablegen in die Analyse ein und konnte eine Vielzahl von Unterschieden und
Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Konfessionen, aber auch
Entwicklungslinien im Verlauf der Frühen Neuzeit herausarbeiten. Wichtig ist
vor allem sein Nachweis einer "sakralen Aura der Residenz", die der
religiösen Legitimation von Herrschaft diente[51].
Grablegen bargen neben den sterblichen Überresten der Landesherren, ihrer
Frauen und Kinder eine Reihe von Grabmonumenten von teilweise beachtlicher
Qualität, die wiederum den Blick darauf lenken, daß die kleineren Residenzen
nicht nur herrschaftliche, kirchliche, administrative und gewerbliche Zentren
waren, sondern auch Orte von Bildung und Kultur.
Um die überregionale kulturelle Bedeutung der
kleinen Residenzen zu belegen, muß man für Saarbrücken nur den Namen der mitten
im Chor von St. Arnual begrabenen Gründerin der Grablege nennen, Elisabeth von
Nassau-Saarbrücken ( 1456), die über enge Kontakte zum französischen Hof
verfügte. Sie ließ vier chansons de geste in eine deutsche Prosafassung
übersetzen und hat dadurch einen wesentlichen Beitrag zur Rezeption
französischer höfischer Literatur im deutschen Sprachraum geleistet[52].
Für das 16. Jahrhundert läßt sich als Beispiel Herzog Johann II. von
Pfalz-Simmern anführen ( 1557); seine Mutter war eine Enkelin Elisabeths.
Johann interessierte sich für Genealogie und Geschichtsschreibung, aber auch für
Astronomie und Geographie; so arbeitete er an der 1550 erschienenen Ausgabe der
Cosmographie Sebastian Münsters mit,
die mit einem großformatigen Holzschnitt seiner Residenzstadt ausgestattet ist.
Seine historischen Forschungen mündeten in eine Reimchronik, von denen zwei
Fassungen 1569 und 1570 datieren. Sie enthält eine bis zu Karl dem Großen
zurückreichende Genealogie des Hauses Simmern und sollte die Aufgaben eines
Fürstenspiegels erfüllen. Als Quellen nennt er auf dem Titelblatt Werke der
Geschichtsschreibung und kaiserliche Privilegien sowie Grabstett und
Epitaphijs. Johann übertrug außerdem den aus dem 12. Jahrhundert
stammenden, ebenfalls in der Tradition des chanson de geste stehenden
Erzählstoff der Haymonskinder ins Deutsche und ließ ihn 1535 in einer
prachtvollen Ausgabe drucken. Ein Akrostichon, verborgen in den Initialen,
nennt den Herzog als Autor. Das Volksbuch von Haymon von Dordogne und seinen
vier Söhnen kreist um die Themen Vasallentreue, Ehre und Rache, um das Ideal
des miles christianus und den Kreuzzug ins Heilige Land[53].
91 Holzschnitte zeigen zwar nicht unmittelbar das Hofleben in Simmern, aber
doch Höhepunkte fürstlicher Kultur, Hochzeiten, Einritte, Fürstentage,
Kriegszüge und Jagden, also ein Adelsideal, den "Traum von Heldentum und
Liebe"[54]. Ähnliche
Themen greift der Fierrabras auf, den der Herzog schon 1533 übersetzte
und drucken ließ. Es handelt sich eine Fortsetzung des Rolandsliedes, um die
Geschichte eines heidnischen Riesen, der sich taufen läßt[55].
In Simmern betrieb Hieronymus Rodler eine Hofdruckerei, in der neben
Prosaromanen und Minneallegorien eine Unterweisung in der Kunst des Messens und
Georg Rüxners Turnierbuch verlegt wurden. Ein Exemplar des Werkes ließ der
Herzog durch den bekannten Nürnberger Buchmaler Albrecht Glockendon
illuminieren und schenkte es Kaiser Karl V. Bei Glockendon entstanden außerdem
1530 und 1535 zwei prachtvoll ausgestattete lateinische Gebetbücher für den
Herzog. 1532 gab dieser bei dem Münchner Hofmaler Ludwig Rehfinger ein Porträt
seiner Familie in Auftrag. Wie es dem Ideal eines allseits gebildeten
Renaissancemäzens entsprach, ist der Herzog selbst als Bildhauer hervorgetreten
und als Verfasser eines verlorenen Lehrbuchs Von Goldschmid unnd Malwerch
auch anndern Kunststücklin[56].
Ein anschauliches Beispiel für diesen gebildeten
Fürstentyp ist auch die Person Herzog Ludwigs II. von Nassau-Saarbrücken (
1627), in dessen Regierungszeit die genealogische Sammlung des Johannes Andreae
und das Epitaphienbuch des Heinrich Dors entstanden[57].
Schließlich läßt sich noch Herzog Wolfgangs Sohn Johann I. von Zweibrücken
(1550-1604) anführen, der eine umfassende theologische und historische Bildung
besaß. Er führte in seinem Herzogtum den Calvinismus ein und schrieb die
lateinische Vorrede für den neuen Katechismus. Johann "der
Historiker" soll eine umfangreiche, leider nicht erhaltene Genealogie
seiner Familie verfaßt haben, die er bis zu den Trojanern zurückführte[58].
Es handelt sich dabei keineswegs um eine phantastische Erfindung. Die seit dem
7./8. Jahrhundert faßbare Trojasage der Franken wurde im Frankreich des 14.
Jahrhunderts ungeheuer populär, diente sie doch im hundertjährigen Krieg als
zentrale Stütze der nationalen Identität und dynastischen Legitimation des
Hauses Valois, wie die Grandes Chroniques de France hervorheben. Auch in
der Genealogie der Habsburger spielte die Trojasage eine wichtige Rolle[59].
Die hier nur knapp skizzierten Beispiele machen deutlich, daß man bei der
Untersuchung der Grabdenkmäler den Kontext des fürstlichen Mäzenatentums berücksichtigen
muß, wobei vor allem auch die Geschichtsschreibung und die Genealogie, die
Alter und Ruhm der Dynastie herausstellen sollten, eine große Bedeutung
besaßen; von hier aus läßt sich eine direkte Brücke zur Botschaft und Funktion
der Grabmäler schlagen.
Wenn wir nach diesen Überlegungen an die
Beantwortung der Frage nach der Bedeutung von Grabmälern an Residenzen
herantreten, dann erweist sich eine direkte Antwort angesichts des Schweigens
der Quellen dennoch als schwierig. Der enge Konnex von Grabmal,
Familiengrablege, Schloßkirche und Residenz auf der einen sowie die weite
Verbreitung der Grabmäler und der große Aufwand, der in vielen Fällen mit den
Monumenten getrieben wurde, auf der anderen Seite verweisen auf eine Lösung,
bei der man freilich auch der Multifunktionalität der Gattung Rechnung tragen
muß: Grabmäler konnten den Begräbnisplatz markieren, persönliche Frömmigkeit
und Familienbewußtsein zum Ausdruck bringen sowie Zwecken der religiösen
Memoria und der Sicherung des weltlichen Nachruhms dienen. Darüber hinaus
erfüllten sie kirchliche und religiöse, im 16. Jahrhundert zunehmend auch
konfessionelle Aufgaben, Funktionen der politisch-herrschaftlichen
Repräsentation sowie der ständischen und gesellschaftlichen Selbstdarstellung
einer Elite.
Betreffs der kirchlichen und religiösen Funktionen
von Grabdenkmälern muß man berücksichtigen, daß das Begräbnis in der Kirche
historisch gesehen keine Selbstverständlichkeit war; es setzte sich erst im
Verlauf des hohen Mittelalters durch und blieb den Angehörigen kirchlicher und
weltlicher Führungsgruppen vorbehalten[60].
Das Grab in der Kirche, insbesondere an prominenten Plätzen wie dem
Chorbereich, diente nicht nur dazu, den verstorbenen Bischöfen, Äbten oder
Gründern eine Referenz zu erweisen, sondern bezog den Ort des Begräbnisses in
die Liturgie ein[61]. Eine
wesentliche Steigerung bedeutete dann die Erfindung der Gattung des
Grabdenkmals im 12. Jahrhundert. Zunächst bestanden Vorbehalte gegen die
Aufstellung von Bildern in der Kirche, die keine Heiligen, sondern einen
sterblichen Menschen darstellten. Außerdem war bei einem lebensgroßen,
porträtähnlich gestalteten, realistisch gekleideten, farbig gefaßten und zudem
mit Kerzen beleuchteten Bild die Gefahr sehr groß, daß Betrachter nicht immer
zwischen einem bischöflichen Heiligen, einem heiligen Bischof oder einem erst
kürzlich verstorbenen Bischof unterscheiden konnten. Es ist sogar denkbar, daß
ein solches Changieren zwischen Wirklichkeit, Illusion und Liturgie bei manchem
Grabmal intendiert war[62].
Ob bei einem Grabmonument, das zum Schutz vor Vandalismus mit einem Gitter
umgeben war und unmittelbar neben zahlreichen anderen Ausstattungsstücken in
einer engen Kapelle aufgestellt war, die nur durch Fenster mit bunten
Glasmalereien und mit Kerzen belichtet wurde, überhaupt viel entziffert werden
konnte, sei einmal dahingestellt. Die Inschriften konnte sowieso nur ein Teil
der Kirchenbesucher lesen und die lateinischen ein noch kleinerer übersetzen.
Die Errichtung einer Grablege, in der über viele
Generationen hinweg die Angehörigen einer Dynastie ihre letzte Ruhestätte
finden würden und wo für deren Seelenheil gebetet werden sollte, setzt eine
institutionelle Absicherung voraus. Hierzu wählten bereits die
Herrschergeschlechter des hohen Mittelalters Klöster und Stiftskirchen, die in
ihrem Einflußbereich lagen, und auf deren Verwaltung sie entsprechenden Einfluß
nehmen konnten. Im 15. Jahrhundert konnten nur noch in Ausnahmefällen neue
Klöster und Stifte gegründet werden. Gerade in Anbetracht der begrenzten ökonomischen
Verhältnisse des Untersuchungsgebietes mußte man sich für ein bereits
etabliertes Stift (Saarbrücken), eine Johanniterkirche (Meisenheim) oder eine
Pfarrkirche entscheiden. Ein anspruchsvoller Neubau wie die Stephanskirche in
Simmern bot mit seinem ausgedehnten Chor durchaus die Möglichkeit, auch als
Stiftskirche genutzt zu werden. Allerdings sind in den kleinen
Herrschaftszentren mit nur einer geistlichen Institution die Unterschiede
zwischen verschiedenen Kirchentypen von eher untergeordneter Bedeutung.
Das Medium Grabmal wurde am Ausgang des Mittelalters
ungeheuer populär, weil es mehrere wichtige Aufgaben erfüllen konnte. Zunächst
standen solche der Fürbitte und Memoria im Vordergrund; Grabmäler waren Orte,
an denen für Verstorbene die Messe gelesen wurde, wo man für sie betete und
ihrer gedachte. Wie wichtig die Vorstellung vom Fegefeuer und die
unterschiedlichen Formen von Memoria für die Gesellschaft des späten
Mittelalters waren, braucht hier nicht noch einmal hervorgehoben zu werden[63].
Im 14./15. Jahrhundert füllten sich deshalb die Kirchen mit ganzen Galerien von
Grabdenkmälern. Besonders bevorzugt waren dabei die Chorbereiche, wo die
Reliquien der Heiligen aufbewahrt wurden und wo die Mönche oder Stiftsherren
beim Gebet stets die Bilder der verstorbenen Herrschaften vor sich hatten. Auch
Laien, die vom Mittelschiff her die Meßfeier verfolgten, hatten dabei stets die
Bilder der Verstorbenen vor Augen, wurden aufgefordert, für sie mitzubeten.
Kritik an dieser Okkupation des Kirchenraumes durch Grabmonumente, die
keinesfalls nur religiöse Aufgaben erfüllten, ist nicht bekannt, banden diese
doch einflußreiche Adelsfamilien an ein Kloster, auf deren Schutz und Zuwendung
man auch weiterhin nicht verzichten wollte. Die Errichtung von Grabdenkmälern
in Kirchen war somit ein Geschäft, aus dem beide Seiten Gewinn zogen[64].
Erst die Reformation bewirkte hier einen Einschnitt.
Zwar stellte Luthers Rechtfertigungslehre die heilsbringende Wirkung von
Stiftungen, Jahrgedächtnissen und Fürbitten in Frage allein der Glaube führe
zu Gott und erwirke die Gnade , doch wurde weder die Gattung Grabmal noch die
Tradition einer Plazierung der Monumente im Chorbereich aufgegeben; beides sind
Indizien dafür, wie wichtig die weltlichen Funktionen waren, die Grabmäler
erfüllen konnten[65]. Die
Kontinuität der Gattung Grabmal im Reformationszeitalter muß allein schon
deshalb hervorgehoben werden, weil ein vergleichbares Medium, das Stifterbild,
in dieser Zeit nahezu verschwand[66].
Zudem hatte die Reformation zu einer grundlegenden Veränderung in der
liturgischen Nutzung der Chorbereiche geführt; die vielen Altäre und
Heiligenbilder, der Lettner und das Chorgestühl verschwanden, Grabmäler konnten
in einem weitgehend leeren Kirchenraum viel besser aufgestellt werden.
Die nächste Frage wäre, inwieweit man im
konfessionellen Zeitalter zwischen "protestantischen" und
"katholischen" Grabdenkmälern unterscheiden kann. Drei recht
unterschiedliche Lösungen zeichnen sich ab: Es gibt Grabdenkmäler, deren Bild-
und Textprogramme Kernelemente evangelischer Frömmigkeit propagieren. Beispiele
sind neben dem Wolfganggrab in Meisenheim vor allem das gewaltige, 8,20 Meter
hohe Epitaph für Herzog Reichard ( 1598) in Simmern. Gegenstücke, die
Programme der Gegenreformation verbildlichen, sind die Grabmäler bzw.
Epitaphien der Erzbischöfe Jakob von Eltz ( 1581) und Johann von Schönenburg
( 1599) im Trierer Dom. Die zahlreichen ikonographischen Gemeinsamkeiten
verbieten jedoch eine zu eindimensionale Aussage: Darstellungen einer Ewigen
Anbetung gibt es sowohl an den Grabmälern eines Trierer und eines Mainzer
Erzbischofs als auch eines protestantischen Herzogs von Pfalz-Zweibrücken.
Personifikationen der sieben Kardinaltugenden, besonders der drei geistlichen,
findet man bei evangelischen (Reichard in Simmern, Wolfgang in Meisenheim)
wie auch an katholischen Grabmälern (Erzbischöfe Adolf und Anton von
Schauenburg in Köln, Johannesaltar des Johann von Schönenburg,
Allerheiligenaltar des Lothar von Metternich im Trierer Dom), aber auch im weltlichen
Bereich an dem als Denkmal kurfürstlicher Stadtherrschaft und Gegenreformation
dienenden Petrusbrunnen von 1595 auf dem Trierer Hauptmarkt[67].
Eine dritte Beobachtung legt gegenüber einer Deutung, die konfessionelle
Gesichtspunkte zu sehr betont, Zurückhaltung nahe, nämlich die Tatsache, daß
sich der Umfang der religiösen bzw. konfessionellen Aussagen von Grabmonumenten
in Grenzen hielt. Im 16. Jahrhundert, aber durchaus auch schon zuvor, gewannen
die Wappenprogramme einen deutlich größeren Stellenwert, listeten die
Inschriften sämtliche Herrschaften und Ämter auf, so daß sich nach der
Reformation ein gewisser Trend zur Profanierung fortsetzte, der sich bereits im
15. Jahrhundert beobachten ließ; bereits hier traten gelegentlich die
religiösen Elemente in den Grabinschriften und bei den Bildprogrammen mit
Heiligendarstellungen in den Hintergrund[68].
Die profanen Aufgaben der Grabdenkmäler innerhalb
der Kirche müssen so wichtig gewesen sein, daß sie gegenüber den Vertretern der
Klöster und Stifte durchgesetzt und dann auch trotz aller Veränderungen der
Reformationszeit beibehalten wurden. Man wird drei Funktionen unterscheiden
können: den politisch-herrschaftlichen Bereich, die ständische Repräsentation
und den genealogisch-familiären Aspekt. Bereits durch ihre bloße Präsenz im
Kirchenraum signalisierten die Grabdenkmäler geistlicher und weltlicher
Herrschaftsträger eine wichtige politische Botschaft, nämlich eine religiöse
Legitimation von Landesherrschaft. Gleichgültig, ob der Priester die Messe las
und dabei auf der Grabplatte eines Klostergründers stand oder ob ein
lutherischer Geistlicher am Altar den Gottesdienst feierte; in jedem Fall war
er von den steingehauenen Bildern der Vorfahren des regierenden Landesherren
umgeben. Spätgotik und Renaissance hatten dabei zu einer weiteren grundlegenden
Veränderung geführt, zur Entstehung der Gattung des Wandepitaphs, das den
Verstorbenen als lebensgroße Standfigur unter einem Architekturrahmen zeigt; es
ermöglichte gänzlich andere Präsentationsformen als das Tumbengrab.
Spätrenaissance, Manierismus und Barock führten dann zu einer gewaltigen
Steigerung von Größe und Aufwand. Hinzu kam, daß auch weiterhin der Chorbereich
für die Aufstellung von Epitaphien bevorzugt wurde (St. Arnual, Gmünden, St.
Johannisberg), der optische Konnex von Thron und Altar also betont wurde.
Man wird dabei die Frage nicht ganz außer Acht
lassen dürfen, an welchen potentiellen Adressatenkreis sich die Grabdenkmäler
wandten. Über ihre bloße Präsenz im Kirchenraum hinausgehend enthalten sie eine
Reihe weiterer Botschaften, wobei die Entschlüsselung der Texte in Meisenheim
und Simmern allerdings gute Lateinkenntnisse, die Lektüre der Bildprogramme ein
gewisses Maß an humanistischer Bildung und beides auch noch Zugang zu den
Grabkapellen (Simmern, Meisenheim) voraussetzte. Hier ist der Rezipientenkreis
bei Geistlichen, Angehörigen der landesherrlichen Verwaltung, welche das
Hornbacher Gymnasium und eine Universität besucht hatten, bei der Familie und
den Nachkommen, vor allem beim Nachfolger im Amt, aber auch bei allen an Fragen
der Kunst, Genealogie und Geschichtsschreibung Interessierten zu suchen, aus
deren Aufzeichnungen schon im 16. Jahrhundert hervorgeht, wie intensiv die
Kunstwerke in den Kirchen betrachtet wurden[69].
Außerdem gibt es immer wieder Hinweise auf die weite Verbreitung guter
Lateinkenntnisse; neben den Leichenpredigten und der Grabinschrift für Herzog
Wolfgang z. B. die Theaterstücke, die man ihm zu Ehren 1566 in Zweibrücken und
Hornbach aufführte; sowohl geistliche Schauspiele als auch Komödien antiker
Autoren waren in Latein verfaßt[70].
Die Vorrede für den Zweibrücker Katechismus Herzog Johanns I. von Zweibrücken
war ebenso in Latein geschrieben wie die beiden Gebetbücher, die Johann II. von
Simmern in Nürnberg anfertigen ließ.
Die Inschriften würdigen, wie das Beispiel Herzog
Wolfgangs zeigt, die Herrschertugenden Gerechtigkeit und Tapferkeit, die
Leistungen des Landesherren beim Ausbau seines Territoriums im weltlichen wie
im geistlichen Bereich, seine Dienste für Kaiser und Reich und vor allem seine
Meriten als Heerführer. Die militärische Dimension besitzt dabei eine
außerordentlich große Bedeutung, sie kommt nicht zuletzt auch in den Rüstungen
und Waffen der Grabbilder zum Ausdruck. Als Vergleichsbeispiel sei nochmals auf
das Reichard-Epitaph in Simmern verwiesen, dessen Inschrift den Herzog als
mustergültigen Fürst in Frieden und Krieg lobt, der für zwei Kaiser gegen
Franzosen und Türken gekämpft hat. Zum Ideal eines guten Fürsten gehörte es
auch, ins Heilige Land zu ziehen, wie dies z. B. Herzog Alexander von
Pfalz-Zweibrücken und Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken 1495/96 unternommen
haben[71].
Hier zeigt sich das Ideal des miles christianus, dessen ureigenste
Aufgabe es ist, das Abendland gegen die Ungläubigen zu verteidigen[72].
Die im Dekor erscheinenden Waffen und Trophäen sowie Personifikationen der
Kardinaltugenden machen auch das Reichardgrab zu einem dauerhaften Lobgedicht
auf die gute Regierung des Herzogs, zu einem steingehauenen Fürstenspiegel für
seine Nachfolger[73]. Eine
solche Interpretation wird nicht nur durch das Adelsideal bestätigt, wie es
etwa die am Hof in Simmern verfaßte und gedruckte Literatur erschließen läßt,
sondern auch durch die Deutung der Grabmäler. Diese darf freilich nicht
isoliert erfolgen, man muß sie wie Fürstenbegräbnisse, feierliche Einritte und
Huldigungen des neuen Landesherren als politische Akte deuten, die ebenso zur
Inszenierung der Landesherrschaft gehörten wie die Errichtung eines Testaments,
das feierliche Totengeleit sowie der Gedenkgottesdienst und die
Leichenpredigten[74].
Bildquellen erweisen sich hier als wichtiger Zugang zu zentralen Fragen der
politischen Ideengeschichte, aber auch der Kirchen- und Sozialgeschichte.
Neben der politischen Dimension spielen ständische,
genealogische und familiäre Elemente eine wichtige Rolle. Kleidung, Inschriften
und Wappen hatten auch die Aufgabe, die Zugehörigkeit des Verstorbenen zu einem
bestimmten Stand zum Ausdruck zu bringen. Während es bei Geistlichen sehr
strenge Vorschriften im Bereich der Kleiderordnung gab, war die Kleidung der
Fürsten, insbesondere ihrer Frauen, viel stärker modischen Einflüssen
unterworfen. Höfische Standards bestimmten auch Mimik und Körperhaltung.
Außerdem dienten die Grabdenkmäler dazu, den Reichtum und den Geschmack der
Verstorbenen zu demonstrieren, wobei die Ansprüche, die an die Bildhauer
gestellt wurden, ganz erheblich sein konnten, etwa bei der Darstellung von
Kleidungsstücken aus unterschiedlichen Stoffen, bei ihrer Drapierung in
komplizierten Gewandwürfen, vor allem aber bei der detailversessenen Wiedergabe
von Ringen und Ketten. Die Bedeutung der ständischen Gliederung der
Gesellschaft ist dabei kaum zu überschätzen, sie führte zur Konstituierung von
Gruppen, die ihr Zusammengehörigkeitsgefühl z. B. durch ihre Kleidung sichtbar
machten[75].
Neben der Einteilung der Bevölkerung in Stände gab es weitere
Gliederungsschemata wie den Jungfrauen-, Ehefrauen- und Witwenstand, der
ebenfalls durch entsprechende Kleidung zum Ausdruck gebracht wurde[76].
Die ständische Ordnung führte zu einer erheblichen Konkurrenz innerhalb und
zwischen den einzelnen Gruppen, die sich in einer Vielzahl von
Auseinandersetzungen um Rang und Vorrang niederschlug. Die Position der
einzelnen Repräsentanten bei einem feierlichen Einzug, einem Gastmahl und
selbstverständlich auch bei der Lage des Begräbnisplatzes wurden zum Gegenstand
einer eigenen Zeremonialwissenschaft[77].
Auch die Grabmäler spiegeln mit ihrem im 16. Jahrhundert sprunghaft
anwachsenden Aufwand diese Konkurrenz wider, wie sich nicht nur anhand der
fürstlichen Monumente, sondern auch an den Grabdenkmälern der Erzbischöfe und
den mit ihnen konkurrierenden Domherren zeigen läßt[78].
Neben
dem ständischen spielt der heraldische Aspekt eine wichtige Rolle. Es gibt kaum
ein Grabmal, das ohne entsprechenden Wappenschmuck auskommt. Wappen dienten
zunächst einmal dazu, die Abkunft des Verstorbenen von bedeutenden Vorfahren zu
belegen, ähnlich wie Inschriften, die etwa beim Beispiel Herzog Wolfgangs
auf den Ururgroßvater König Ruprecht verweisen. Zum zweiten besaßen die Wappen
als Mittel der Konkurrenz zwischen einzelnen Herrschaftsträgern eine große
Bedeutung, wie sich an der stets zunehmenden Zahl zeigt: Reichten für ein
spätmittelalterliches Adelsgrab noch vier Wappen aus, so stieg deren Zahl im
16. Jahrhundert auf acht, 16 oder gar 32 (Grafen von Nassau-Saarbrücken). Die
in Form von Zonen, Pilasterdekorationen oder Gebinden drapierten Wappenketten
benötigten bald eigene Inschriften, um eine Identifizierung zu ermöglichen. So
weit möglich wurden sie auch noch mit Helmen, Kleinodien und Helmdecken
ausgestattet, welche die adelige Standesqualität unterstrichen. Zudem
benötigten die Wappenserien immer mehr Platz, drängten sekundäre Elemente der
Dekoration zunehmend in den Hintergrund, zumal neben die persönlichen Wappen
auch noch die prunkvollen Amtswappen etwa der Trierer oder Mainzer Erzbischöfe
treten konnten.
Wappen
besaßen dabei eine dreifache Funktion: Zunächst dienten sie wie die
Inschriften oder die Grabbilder der Identifizierung der Person des
Verstorbenen. Weiter signalisierten sie eine Art Ahnenprobe, machten etwa bei
vier Wappen deutlich, daß der Verstorbene von vier standesgemäßen Großeltern
abstammte[79]. Zum
dritten müssen wir berücksichtigen, daß Wappen die verschiedenen Grabmäler einer
Dynastie genealogisch miteinander vernetzten. Die genealogische Methode war als
Mittel der Geschichtsschreibung im Mittelalter, aber auch noch in der Frühen
Neuzeit ungeheuer populär; sie versuchte, über die bloße Deskription von
Verwandtschaftsverhältnissen hinausgehend, die Angehörigen einer Dynastie von
möglichst alten und vornehmen Ahnen abzuleiten. Gerade im Wettstreit der
Herrschaftsträger und bei ungeklärten Besitz- und Erbschaftsfragen besaß sie
einen hohen Stellenwert. Auch die Erzbischöfe, die ihr Amt nicht vererben
konnten, versuchten, auf eine lange und ungebrochene Reihe von Vorgängern im
Amt zu verweisen. Im geistlichen wie im weltlichen Bereich kam heiligen
Vorfahren eine besondere Bedeutung zu, die Habsburger, die Valois oder die Přemysliden
konnten ihren Stammtafeln durch Heilige eine religiöse Legitimation verleihen[80].
Besonders erfolgreich waren in dieser Hinsicht die Landgrafen von Hessen:
Nachdem ihr Mann Ludwig IV. 1227 auf dem 5. Kreuzzug gestorben war und man
seine Gebeine zurückgebracht hatte, widmete sich die ungarische Königstochter
Elisabeth der Armenfürsorge und gründete 1229 in Marburg ein Spital. Bereits
vor ihrem Tod als Heilige verehrt, wurde sie 1235 heiliggesprochen. Unmittelbar
danach wurde mit dem Bau der Deutschordenskirche und der Herstellung des
Elisabethschreins begonnen. Die aus dem Hochadel stammende mater pauperum
war eine der populärsten Heiligengestalten des späten Mittelalters. 1539 ließ
Philipp von Hessen, Herzog Wolfgangs Schwiegervater, die Reliquie aus dem
Schrein entfernen, um der Verehrung und der Wallfahrt ein Ende zu setzen[81].
Solche
heraldischen und genealogischen Konstruktionen und Programme waren weit
verbreitet, Bischofs- und Abtsreihen sind in verschiedenen Kirchen dargestellt,
Stammtafeln und Herkunftslegenden finden sich in Familienchroniken, und nicht
zuletzt wurden auch Wappenreihen in Architekturzusammenhängen wie beim
Netzgewölbe der Meisenheimer Grabkapelle dazu verwandt, genealogische Konzepte
darzustellen[82]. Weiter
lassen sich diese Beobachtungen mit früheren Überlegungen zur
politisch-herrschaftlichen Deutung der Bilder der Verstorbenen verbinden: Nicht
nur die Grabbilder und die Inschriften, sondern auch der Seriencharakter der
Denkmäler hoben das hohe Alter und die ungebrochene Kontinuität der Dynastie
hervor[83].
Dies führte wiederum zur Entstehung bestimmter ortsspezifischer Grabmaltypen,
die oft über Jahrhunderte hinweg fortgeschrieben wurden; anschauliche Beispiele
dafür lassen sich im Mainzer Dom und in St. Arnual, in Marburg und in Saint
Denis finden[84].
Inwieweit neben kollektiven Normen auch individuelle Aspekte von Frömmigkeit und Familienbewußtsein eine Rolle spielten, läßt sich nur im Einzelfall klären. Es kann sich bei den Bildnissen an Grabmälern um individuelle Glaubensbilder handeln, welche die Ergebenheit in den Herrn und die Gewißheit der Auferstehung zum Ausdruck bringen sollen, eine Deutung, die durch die vier Inschriften gestützt wird. Andererseits warnen die postume Errichtung des Denkmals, die zahlreichen Widersprüche zu dem Testament und das Idealbild des lutherischen Landesherren, das es vermittelt, vor einer zu individuellen Deutung. Grabbilder sind ständische Rollenporträts. Stets ist der Mann auf der linken Seite dargestellt. Es ist die wichtigere Seite, ähnlich wie in der Heraldik, wo Schwert- und Spindelseite unterschieden werden. Links, also heraldisch rechts ist die Seite des guten Schächers, zur Rechten Christi sitzt beim Jüngsten Gericht seine Mutter, hier finden sich die Gesegneten im Gegensatz zu den Verdammten, die rechts von Teufeln in die Hölle gezerrt werden, hier finden sich auch die Ecclesia statt der Synagoge, die klugen und nicht die törichten Jungfrauen[85]. Feste Rollenvorstellungen prägen auch die Beziehungen der Ehepartner: Der Mann hat den Blick zumeist empor gerichtet, die Frau in der Regel demütig niedergeschlagen. Die Rolle des guten Hausvaters wird in vielen Inschriften betont, bei der Frau dagegen die liebevolle, pflichtbewußte und christliche Erziehung der zahlreichen Kinder[86].
Merkwürdigerweise
werden Kinder auf Grabbildern anders als auf Stifterbildern so gut wie nie
dargestellt. Es gibt bemerkenswerte Ausnahmen wie das bereits genannte Grab des
Wild- und Rheingrafen Johann Christoph in St. Johannisberg, das unserem
Wolfganggrab sehr nahe steht. Hier sind vor dem Ehepaar ein Knabe und ein
Mädchen in standesgemäßer Tracht zu erkennen[87].
In St. Arnual kann auf das Epitaph des 1618 im Alter von 18 Wochen verstorbenen
Nassauers Moritz verwiesen werden. Es handelt sich um ein Wandgrab im Chor, das
zwar wesentlich kleiner, aber nach einem ähnlichen Schema aufgebaut ist wie die
Monumente seiner Eltern. Das Grabmal ist eines der wenigen erhaltenen
Kinderepitaphien[88], deren
Existenz Zweifel an der These weckt, es habe im späten Mittelalter und zu
Beginn der Neuzeit kaum emotionale Bindungen zwischen Eheleuten bzw. zwischen
Eltern und Kindern gegeben[89].
Bei
der Deutung von Grabdenkmälern muß man stets auch die Frage nach dem
Auftraggeber im Auge behalten, der für Größe, Typus, Bildprogramm und Inschrift
verantwortlich zeichnete. Für das Herzog Wolfgang-Monument läßt sich mit einem
hohen Maß an Wahrscheinlichkeit einer der Söhne verantwortlich machen, entweder
Johann I., der das Zweibrücker Erbe angetreten hatte und zu dem der Bildhauer
mehrfach zu Verhandlungen reiste, oder Karl I., der Begründer der Birkenfelder
Linie, für den nach seinem Tod im Jahre 1600 gegenüber dem Grabmal seines
Vaters ein gewaltiges, 8,10 Meter hohes Monument errichtet wurde[90].
Wenig spricht dagegen für die Witwe, die erst im Februar 1575 von Neuburg nach
Meisenheim übersiedelte[91].
Vielfach wurden Grabmäler schon zu Lebzeiten in Auftrag gegeben (Reichard-Grab
in Simmern), etwa nach dem Tod der ersten Frau, was dann bei den Grabmonumenten
der zweiten und dritten Frau mitunter zu Kalamitäten führte[92].
Oft ließen die Kinder, die Erben oder die Nachfolger im Amt die Grabmonumente
errichten, worüber eigene Inschriften Auskunft geben. Bei Monumenten, die lange
nach dem Tod der Dargestellten in Auftrag gegeben wurden, erwachsen natürlich
Zweifel, ob Porträt, Kleidung und der Inschriftentext nicht historisierende
Elemente enthalten.
Eine nachträgliche Errichtung von Grabdenkmälern war
nicht einmal selten, wie ein Blick auf andere Residenzen zeigt, den wir zum
Abschluß zur Beantwortung der Frage nach den Vorbildern der Meisenheimer
Grablege noch einmal werfen sollten. Die verschiedenen Wappenreihen und die
Inschriften machen deutlich, daß die einzelnen Fürstenfamilien auf das engste
miteinander verwandt waren. Dieses familiäre Netzwerk zwischen einzelnen
Herrschaftszentren bildete eine wichtige Grundlage für die Arbeit von Ateliers
wie dem des Johann von Trarbach oder Hans Ruprecht Hoffmanns in Trier,
vermittelte es doch Kontakte und Aufträge an einen Kundenkreis mit einer
gemeinsamen Kultur und Wertehaltung. Es gab eine einheitliche Adelskultur an
Mittelrhein, Saar und Mosel. Zu ihr zählten auch die geistlichen Zentren Trier
und Mainz, in denen die Grabdenkmäler der Erzbischöfe und Domkanoniker zwar aus
ständischen und konfessionellen Motiven andere Visualisierungsstrategien
verfolgten, die aber trotzdem zahlreiche Parallelen zu den Denkmälern
weltlicher Fürsten aufweisen. Deutlich geworden ist außerdem, daß die Grabmäler
Bestandteil einer politisch-herrschaftlichen Funeralkultur waren und ein charakteristisches
Element einer erstaunlich hoch entwickelten Adelskultur, die auch
Literaturförderung, Geschichtsschreibung, höfische Feste, Porträts, Buchmalerei
und Medaillenkunst umfaßte. Dabei sollte der Aspekt der Konkurrenz zwischen den
verschiedenen Höfen nicht übersehen werden, der nicht zu nur immer größeren und
aufwendigeren Denkmälern führte, sondern auch zu einer erheblichen
Differenzierung bezüglich Größe, künstlerischer Qualität, Bildprogramm und
Epigraphik.
Außerdem
dürfen wir internationale Vorbilder nicht außer Acht lassen. Das bekannteste
Beispiel ist die Grablege der französischen Könige in der vor Paris gelegenen
Benediktinerabtei Saint Denis. Die Neuanordnung der Grabdenkmäler unter Ludwig
IX. dem Heiligen ( 1270) und unter Philipp IV. dem Schönen ( 1314), die
zugleich mit einer Neugestaltung der Tumben und der Herstellung von
Liegefiguren verbunden war, läßt deutlich die Absicht einer Visualisierung
herrschaftlicher und dynastischer Kontinuität bis in die Zeit der Merowinger
und Karolinger zurück erkennen[93].
Im Paris des 14. Jahrhunderts tritt der Zusammenhang von prunkvoller Hofkultur mit feierlichen Einritten und
aufwendigen Gastmählern, Genealogie und Geschichtsschreibung sowie Grabmalkunst
besonders deutlich hervor. Hier haben zahlreiche Fürstensöhne wie etwa die
Luxemburger Kaiser Heinrich VII. ( 1313) und sein Bruder Erzbischof Balduin (
1354) ihre Jugendjahre verbracht. Es gab in ganz Europa keine bessere
Prinzenschule als den französischen Königshof mit seiner berühmten Hofkultur. Nicht
nur Reichtum und Macht, sondern auch das hohe Alter und die große Bedeutung der
Valois sollten jedem Besucher vermittelt werden. Die berühmten Grandes
Chroniques de France, die teilweise auch illustriert waren, hoben ebenfalls
die Bedeutung der Dynastie hervor[94];
sie wurden wahrscheinlich den jungen Prinzen, den Angehörigen des Hauses Valois
und ihren Gästen ebenso gezeigt wie die Grablege in Saint Denis. Wie solche
Transferbeziehungen funktionierten, zeigt gerade das Beispiel Balduins von
Luxemburg, der als Erzbischof von Trier eine Bilderhandschrift von Kaiser
Heinrichs Romfahrt in Auftrag gab und an den im Trierer Dom eine nach Pariser
Vorbild geschaffene Tumba aus schwarzem Marmor erinnert[95].
Ein weiterer Herrscher aus dem Hause Luxemburg, der seine Jugendjahre in Paris verbracht hatte, war Kaiser Karl IV. Er ließ ab 1344 einen Neubau des Veitsdomes errichten, der die Erhebung der Prager Kirche zum Erzbistum und die Funktion der Kathedralkirche als Grablege des böhmisch-luxemburgischen Königshauses zum Ausdruck brachte. Die Verteilung von Tumben und Büsten läßt einen wohl auf den Kaiser selbst zurückgehenden Gesamtplan erkennen: Danach bildete sein leider nicht erhaltenes Grabmal, mitten im Binnenchor und in der Mittelachse der Kirche gelegen, das Zentrum der Anlage. In den drei östlichsten Chorkapellen wurden jeweils zwei Tumbengräber für die Herzöge und Könige aus dem Hause der Přemysliden aufgestellt. Ergänzt wird das Programm der Tumben durch dasjenige der Büsten am Triforium, in dem ein größerer Personenkreis dargestellt wird: Vor allem die Familie des Kaisers, dann die während der Bauzeit amtierenden Prager Erzbischöfe, die Baurektoren sowie die Architekten Peter Parler und Matthias von Arras. Vertreten sind außerdem die Heiligen Wenzel, Ludmila, Adalbert, Prokop, Veit, Method, Sigismund und Cyrill. Es läßt sich also auch hier ein Programm erkennen, dessen Eckpfeiler dynastische Propaganda, inszenierte Genealogie, politische Heiligenverehrung und individuelle Memoria, aber auch die repräsentative Selbstdarstellung des Fundator von Kirche und Erzbistum sind[96].
Neben Paris und Prag läßt sich als weiteres Beispiel mit Vorbildcharakter die Grablege der Burgunderherzöge in der Kartause von Champmol bei Dijon nennen. Stifter des Klosters war der erste burgundische Herzog aus dem Hause Valois, Philipp der Kühne ( 1404), der sich in der Mitte des Mönchschores bestattet wissen wollte. Das Grabdenkmal seines Nachfolgers Johann Ohnefurcht ( 1419) wurde ebenfalls in der Mittelachse des Chores errichtet[97]. Die Herzöge von Burgund haben die westdeutsche Adelskultur des 15. Jahrhunderts nachhaltig geprägt, ebenso die Person Kaiser Maximilians I. ( 1519), der in seinen autobiographischen Schriften die Errichtung einer Grablege, die Sicherung der kirchlichen Memoria und des weltlichen Nachruhms als wichtige Aufgaben eines jeden Herrschers bezeichnete. Sein überdimensionales Grabmal in der Hofkirche zu Innsbruck, an dem Reliefs seine Taten verherrlichen, wird von überlebensgroßen Bronzefiguren seiner 'Ahnen' umstanden. Maximilians alle Medien der Kunst und Literatur seiner Zeit gleichermaßen ausnutzendes Ruhmeswerk und die ihm zugrundeliegenden Ideen, die über die neuen Medien Holzschnitt und Buchdruck weite Verbreitung fanden, dürften im 16. Jahrhundert auch in den landesherrlichen Residenzen an Mittelrhein, Saar und Mosel bekannt gewesen sein[98].
Einen weiteren Denkmälerkomplex, den Herzog Wolfgang sicherlich gut kannte, war der, der an die Familie seiner Frau und seiner Mutter erinnert, an die Landgrafen von Hessen in der Elisabethkirche in Marburg. Unmittelbar nach der Kanonisation der hl. Elisabeth wurde 1235 mit dem Bau der Deutschordenskirche begonnen, die bis 1283 fertiggestellt wurde. Der Ostchor bot Platz für die Liturgie der Deutschenordensritter, der Norden ermöglichte es den Pilgern, das Grabmal der hl. Elisabeth zu besuchen, und der Süden diente als landgräfliche Nekropole. Diese strenge Funktionsteilung ist jüngst angezweifelt worden, da die Grablegen des 13. Jahrhunderts ursprünglich in der Nordkonche vorzufinden waren. Erst im späten 13. Jahrhundert sind sie in den südlichen Querarm verlegt worden, während um 1325 die Nekropole durch ein Doppel- und ein Einzelgrabmal erweitert wurde. Die Identifizierung der auf den Tumben Dargestellten ist strittig; vermutlich handelt es sich aber um den Landgrafen Heinrich I. ( 1308) und um Heinrich den Jüngeren von Hessen ( 1298) am Doppel- sowie um Otto I. ( 1328) am Einzelgrab. Unabhängig davon wurden mit dieser Gruppenbildung die Tumben in typologischer wie topographischer Hinsicht zum Vorbild für die weiteren Grabdenkmäler der hessischen Landgrafen, einer Serie, die mit Philipps Vater Wilhelm II. ( 1509) ihren gleichzeitig ihren Höhepunkt und ihr Ende findet[99].
Nach der Reformation und der Linienteilung von 1567 entstanden zwei neue Residenzen mit eigener Grablege, die Martinskirche in Kassel für die Linie Hessen-Kassel und die evangelische Stadtkirche in Darmstadt für die Linie Hessen-Darmstadt. Philipp der Großmütige, Herzog Wolfgangs Schwiegervater, wurde in Kassel begraben. Der führende Repräsentant der protestantischen Bewegung und Gründer der Universität Marburg wollte wohl nicht in der als Wallfahrtsort angesehenen Elisabethkirche, deren Nutzung weiter dem Deutschen Orden vorbehalten blieb, seine letzte Ruhestätte finden. Nach seinem Tod 1567 errichteten die Bildhauer Elias Godefroy aus Cambrai und nach dessen Ableben Adam Liquir Beaumont bis 1572 ein zwölf Meter hohes Grabmal in Form eines Triumphbogens aus schwarzem Marmor; es zeigt den Landgrafen und seine Frau Christine als lebensgroße Alabasterfiguren. Hinsichtlich, Größe, Material, künstlerischer Qualität und Bildprogramm stellt es das annähernd gleichzeitig entstandene Wolfgang-Epitaph doch in den Schatten. Es nimmt sich Arbeiten des Antwerpener Bildhauers Cornelius Floris zum Vorbild, der 1561 die Grabdenkmäler der Kölner Erzbischöfe Adolf und Anton von Schauenburg in die Rheinstadt geliefert hatte. Auch der Ort der Aufstellung, das Chorhaupt, sonst der Platz des Altars, ist hervorzuheben; er macht das Grabmal zu einem Altarbild, die lebensgroßen Figuren der Verstorbenen zu Schutzpatronen der Kirche und des Landes Hessen, zum Denkmal für den evangelischen Landesherren und prominenten Begründer der neuen Linie[100].
Die hier nur kurz ausgeführten Vergleiche machen deutlich, daß das Grabmal Herzog Wolfgangs in Meisenheim gemeinsam mit Denkmälern in Simmern zu den Spitzenleistungen der Hunsrückrenaissance zählen, daß es jedoch durchaus noch eine höhere Qualitätsebene gab, wie die Denkmäler in Köln und Kassel belegen. Auf der anderen Seite zeichnet sich aber auch eine untere Ebene mit einem eher bescheidenen Anspruchsniveau ab, wie sich an den Denkmälern in Gmünden und St. Johannisberg zeigen läßt. Als Oberzentren treten Heidelberg und Straßburg hervor. Die kurzen Streifzüge durch die Sach- und Grabkultur bedeutender Höfe und Residenzen des späten Mittelalters macht deren Vorbildwirkung deutlich. Dadurch wird es möglich, Anschauungsmaterial für eine vergleichende Analyse zu gewinnen, die es mit einem gewissen Maß an Wahrscheinlichkeit und Sicherheit erlaubt, die einzelnen Elemente wie ständisches Bewußtsein, Kleidung, Wappen, Genealogie etc. zu deuten und Grabdenkmäler als Quellen für verschiedene Fragestellungen der politischen, Territorial- und Kirchengeschichte, aber auch der Frömmigkeits-, Familien- und Mentalitätsgeschichte zu erschließen. Gemeinsam mit Testamenten, Leichenpredigten, Kirchenordnungen und Herrscherporträts bildeten sie Medien der Selbstdarstellung einer Elite, die im kirchlichen Raum ihre Vorstellung von politischer, kirchlicher und gesellschaftlicher Ordnung zum Ausdruck brachte.
Die Untersuchungen zum Grabmal Herzog Wolfgangs in Meisenheim wurden durch eine Exkursion der Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung am 24. Juni 2000 angeregt. Daraus erwachsene Studien zu den Grablegen in St. Arnual und in Simmern wurden publiziert von Stefan Heinz und Wolfgang Schmid, Grab und Dynastie. Zur Bildhauerei der Renaissance in geistlichen und weltlichen Residenzen an Mittelrhein, Saar und Mosel. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 63 (2002) 159-196. Für Rat und Hilfe danke ich Ulrike Alt, Paula Giersch, Stefan Heinz und Barbara Rothbrust (Trier).
[1] Nathanael von
Schlichtegroll, Herzog Wolfgang von Zweibrücken und Neuburg als staatsrechtlich
und geschichtlich bedeutsamer Stammvater des bayerischen Königshauses. München
1850; Karl Menzel, Wolfgang von Zweibrücken, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog in
Baiern, Graf von Veldenz, der Stammvater des baierischen Könighauses
(1526-1569). München 1893; Julius Ney, Wolfgang, Pfalzgraf, Herzog von
Zweibrücken und Neuburg. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Bd. 44 (1896)
76-87; Ders., Pfalzgraf Wolfgang, Herzog von Zweibrücken und Neuburg (Schriften
des Vereins für Reformationsgeschichte 106) Leipzig 1912; Barbara Kurze,
Pfalzgraf Wolfgang von Neuburg. In: Götz Freiherr von Pölnitz (Hg.),
Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben (Schwäbische Forschungsgemeinschaft
bei der Kommission für Bayerische Landesgeschichte 6,3) Bd. 6, München 1958,
292-322.
[2] Wilhelm Fabricius, Die
Grafschaft Veldenz. Ein Beitrag zur geschichtlichen Landeskunde des ehemaligen
Nahegaues. In: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz 33 (1913) 1-91,
36 (1916) 1-48; Paul Warmbrunn, Pfalz-Zweibrücken, Zweibrückische Nebenlinien.
In: Anton Schindling und Walter Ziegler (Hg.), Die Territorien des Reichs im
Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung. Land und Konfession
1500-1650 (Katholisches Leben und Kirchenreform im Zeitalter der
Glaubenspaltung 56) Bd. 6, Münster 1996, 170-197; Werner Hesse, Hier
Wittelsbach, hier Pfalz. Die Geschichte der pfälzischen Wittelsbacher von
1214-1803. Landau 1986; Hans Ammerich, Zweibrücken und Karlsberg. Residenzen
des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken. In: Kurt Andermann (Hg.), Residenzen. Aspekte
hauptstädtischer Zentralität von der Frühen Neuzeit bis zum Ende der Monarchie
(Oberrheinische Studien 10) Sigmaringen 1992, 337-364.
[3] Zur Birkenfelder Linie
Klaus Eberhard Wild, Die Birkenfelder Linie der pfälzischen Wittelsbacher und
ihr Aufstieg in Zweibrücken, Mannheim und München. In: Ders., Zur Geschichte
der Grafschaften Veldenz und Sponheim und der Birkenfelder Linien der
pfälzischen Wittelsbacher (Veröffentlichungen des Vereins für Heimatkunde im
Landkreis Birkenfeld Sonderheft 43) Birkenfeld 1982, 73-82; Warmbrunn,
Zweibrücken 189-190. Zum Grabmal s. u. Anm. 90.
[4] Rainer Schlundt, "Und
hat sich das ertz wol erzaiget". Nordpfälzer Bergbau der Herzöge von
Zweibrücken-Veldenz im 15. und 16. Jahrhundert (Veröffentlichungen der
Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften 67) Speyer 1982; Kurt
Kreischer, Meisenheimer Münzprägungen. 1365, 1536-41, 1565/66, 1624. In: Günter
F. Anthes und Meinhard Lurz (Hg.), Meisenheim. Studien zu Natur, Geschichte und
Kunst. Tl. 2 (Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach 18)
Bad Kreuznach 1984, 183-206; Klaus Petry, Der Bergbau auf Silber und die
Münzprägung an der Mittelmosel zur frühen Neuzeit unter besonderer
Berücksichtigung der Münzstätte Veldenz. In: Klaus Freckmann (Hg.), Das Land an
der Mosel Kultur und Struktur (Sobernheimer Gespräche 3) Köln-Bonn 1995,
81-106; Ders. und Karl Weisenstein, Münzprägung und Geldumlauf in Mittelalter
und früher Neuzeit (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande VII/1-2) Köln 2000,
50.
[5] Anton Schindling,
Humanistische Reform und fürstliche Schulpolitik in Hornbach und Lauingen. Die
Landesgymnasien des Pfalzgrafen Wolfgang von Zweibrücken und Neuburg. In:
Neuburger Kollektaneenblatt 133 (1980) 141-186.
[6] Ludwig Molitor,
Vollständige Geschichte der ehemaligen pfalz-bayerischen Residenzstadt
Zweibrücken von ihren ältesten Zeiten bis zur Vereinigung des Herzogthums
Zweibrücken mit der Bayerischen Krone. Zweibrücken 1885, 216-238; Kurze,
Pfalzgraf 313-322; Walther Koch, Die Kriegskosten Herzog Wolfgangs von Pfalz-Zweibrücken
und ihre Regulierung. In: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz 59
(1961) 76-105; Monique Weis, Pfalzgraf Wolfgang, Philipp II. und die Spanischen
Niederlande 1565-1569, Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 49 (2001)
16-43.
[7] Schlichtegroll, Wolfgang
36-41; Menzel, Wolfgang 582-602; Ney, Pfalzgraf, 97-103; Walther Koch, Die
Entstehung des Testaments Herzog Wolfgangs von Zweibrücken und sein Entwurf
durch Dr. Ulrich Sitzinger. In: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz
63 (1965) 95-129, insbesondere 101-104. Zu Sitzinger Molitor, Geschichte
201-202.
[8] Schlichtegroll, Wolfgang
109-116; Ney, Pfalzgraf 104; Rudolf Lenz (Hg.), Leichenpredigten als Quelle
historischer Wissenschaften. Köln-Wien 1975; Ders., "Denkmale von Papier
und Stein erbauet" Betrachtungen zu Leichenpredigt und Grabdenkmal in
der frühen Neuzeit. In: Harald Zimmermann (Hg.), Deutsche Inschriften.
Fachtagung für mittelalterliche und neuzeitliche Epigraphik. Worms 1986
(Akademie der Wissenschaften und Literatur [Mainz], Abh. der geistes‑ und
sozialwissenschaftlichen Kl. 1987/12) Mainz-Stuttgart 1987, 111‑130.
[9] Die Renaissance im
deutschen Südwesten zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg, Kat.
Karlsruhe, 2 Bde., Heidelberg 1986.
[10] Kurt Andermann, Zeremoniell
und Brauchtum beim Begräbnis und beim Regierungsantritt Speyerer Bischöfe.
Formen der Repräsentation von Herrschaft im späten Mittelalter und in der
frühen Neuzeit. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 42 (1990)
125-177; Lothar Kolmer (Hg.), Der Tod des Mächtigen. Kult und Kultur des Todes
spätmittelalterlicher Herrscher, Paderborn-München-Wien 1997; Jill Bepler,
Ansichten eines Staatsbegräbnisses. Funeralwerke und Diarien als Quelle
zeremonieller Praxis. In: Jörg Jochen Berns und Thomas Rahn (Hg.), Zeremoniell
als höfische Ästhetik in Spätmittelalter und Früher Neuzeit (Frühe Neuzeit 25)
Tübingen 1995, 183-197; Liselotte Popelka, Castrum doloris oder "Trauriger
Schauplatz". Untersuchungen zu Entstehung und Wesen ephemer Architektur
(Österreichische Akademie der Wissenschaften, Veröffentlichungen der Kommission
für Kunstgeschichte 2) Wien 1994; Magdalena Hawlik‑van de Water, Der
schöne Tod. Zeremonialstrukturen des Wiener Hofes bei Tod und Begräbnis
zwischen 1640 und 1740. Wien-Freiburg-Basel 1989. Nur am Rande hingewiesen
werden kann auf die 'Leichenordnung für das Begräbnis des Grafen Albrecht von
Ottweiler ( 1593), vgl. Albert Ruppersberg, Geschichte der ehemaligen
Grafschaft Saarbrücken. 3 Bde., Saarbrücken 2. Aufl. 1908-1914, Ndr. St.
Ingbert 1979, Bd. 2, 34-36.
[11] Ney, Pfalzgraf 97.
[12] Stefan Heinz, O BEDENCK DAS
END. Studien zum Mainzer Marktbrunnen. Magisterarbeit Trier 2002, 26-28;
Jan-Dirk Müller, Gedechtnus. Literatur und Hofgesellschaft um Maximilian I.
(Forschungen zur Geschichte der älteren deutschen Literatur 2) München 1982,
bes. 74-79, 125-128; Sven Lüken, Kaiser Maximilian I.
und seine Ehrenpforte. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte 61 (1998) 449-490.
[13] Zur Testamentsvollstreckung
Koch, Entstehung 125-129.
[14] Andrea Lanzer, Herrschertod
in Brauchtum und Recht. In: Forschungen zur Rechtsarchäologie und Rechtlichen
Volkskunde, 5 (1983) 99-133, 103-104.
[15] Die chronikalischen Quellen
sind zusammengestellt bei Anton Doll, Schriftquellen. In: Hans Erich Kubach und
Walter Haas (Bearb.), Der Dom zu Speyer (Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz
5) München 1972, 11-71, hier 53-55; Wolfgang Schmid, Kaiser Heinrichs Romfahrt.
Zur Inszenierung von Politik in einer Trierer Bilderhandschrift des 14.
Jahrhunderts (Mittelrheinische Hefte 21) Kat. Koblenz 2000, 111-115. Zum
Speyerer Dom als Kaisergrablege vgl. Stefan Weinfurter, Herrschaftslegitimation
und Königsautorität im Wandel. Die Salier und ihr Dom zu Speyer. In: Ders. und
Helmut Kluger (Hg.), Die Salier und das Reich. Bd. 1, Sigmaringen 1991, 55‑96;
Odilo Engels, Die kaiserliche Grablege im Speyerer Dom und die Staufer. In:
Papstgeschichte und Landesgeschichte. Festschrift für Hermann Jakobs (Beihefte
zum Archiv für Kulturgeschichte 39) Köln-Weimar-Wien 1995, 227‑254.
Athanasius Miller, Das Buch Tobias (Die Heilige Schrift des Alten Testamentes
4,4) Bonn 1940, cap. 4,1-4, 8,10-18. Das Begräbnis der Toten wurde später zu
den sieben Werken der Barmherzigkeit gezählt, die beim Jüngsten Gericht eine
entscheidende Rolle spielen (Mat 25,31 ff.).
[16] Johann Brouwer, Johanna die
Wahnsinnige. Ein tragisches Leben in bewegter Zeit. München 1978 (Erstausgabe
1940), 89-106.
[17] Das Buch Weinsberg. Kölner
Denkwürdigkeiten aus dem 16. Jahrhundert. Bearb. von Konstantin Höhlbaum,
Friedrich Lau und Josef Stein (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische
Geschichtskunde 3, 4, 16) 5 Bde., Leipzig-Bonn 1886‑1926, Bd. 4, 129-130;
147; Leonard Ennen, Der hansische Syndikus Heinrich Sudermann aus Köln. In:
Hansische Geschichtsblätter 6 (1876) 3‑58, hier 40-42, 41 das Zitat aus
dem Memorienregister; Klaus Wriedt, Heinrich Sudermann (1520‑1591). In:
Wilhelm Janssen (Hg.), Rheinische Lebensbilder. Bd. 10. Bonn 1985, 31‑45;
Barbara Rothbrust, "Diss sterbens und begrabens kunt ich mich nit
getroisten ..." Sterben und Tod im Spiegel bürgerlicher Selbstzeugnisse
des 16. Jahrhunderts. Staatsexamensarbeit Trier 2000.
[18] Schlichtegroll, Wolfgang
88-101; Menzel, Wolfgang 567-581; Molitor, Geschichte 237-238.
[19] Walter Zimmermann (Bearb.),
Kunstdenkmäler des Kreises Kreuznach (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 8,1)
Düsseldorf 1935, 235-288; Klaus Freckmann, Meisenheim am Glan (Rheinische
Kunststätten 268) Neuss 2. Aufl. 1992; Werner Vogt, Meisenheim am Glan als
Zweitresidenz der Wittelsbacher Herzöge und Pfalzgrafen von Zweibrücken. In:
Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 19 (1993) 303-324.
[20] Zimmermann, Kunstdenkmäler
238-270; Friedrich Wilhelm Fischer, Die Meisenheimer Schule. Spägotische
Kirchenbaukunst am Mittelrhein. In: Meisenheim 3-122; Freckmann, Meisenheim
7-13; Ute Germund, Konstruktion und Dekoration als Gestaltungsprinzipien im
spätgotischen Kirchenbau. Untersuchungen zur mittelrheinischen Sakralbaukunst.
Worms 1997, 94-101, 128-133.
[21] In Simmern war die
Grabkapelle der hl. Anna geweiht, auch hier wurde der Altar entfernt und sein
Platz später zur Aufstellung eines Epitaphs genutzt.
[22] Nachgewiesen bei
Zimmermann, Kunstdenkmäler 252.
[23] Die Topographie der über
eine Brücke vom Schloß her erreichbaren Fürstenloge ist noch nicht eindeutig
geklärt, für freundliche Hinweise sei Klaus Freckmann gedankt.
[24] Zimmermann, Kunstdenkmäler
254-255, 266-267.
[25] Zimmermann, Kunstdenkmäler
256-258; Eberhard J. Nikitsch (Bearb.), Die Inschriften des Landkreises Band
Kreuznach (Die deutschen Inschriften 34) Wiesbaden 1993, Nr. 340. Das Grabmal
wurde 1795 von französischen Revolutionstruppen, die in der Kapelle eine
Wachstube eingerichtet hatten, erheblich beschädigt und 1896 unter Verwendung
der Fragmente wiederhergestellt. Näheres bei Heinrich Rodewald, Das Denkmal des
Herzogs Wolfgang von Zweibrücken und seiner Gemahlin Anna von Hessen in der
Schloßkirche zu Meisenheim und ein Künstler Johann von Trarbach. In:
Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde im Landesteil Birkenfeld 5 (1931)
44-45. Eine recht genaue Vorstellung von seinem Aussehen und von den
Inschriften um die Mitte des 18. Jahrhundert erlaubt eine Zeichnung im Thesaurus
Palatinus von 1751, Nikitsch, Inschriften 340. Für die Überlassung einer
Kopie sei dem Verfasser gedankt.
[26] Die beiden unteren Wappen
lassen eine Teilfassung erkennen, wie sie sich auch an anderen Werken Hans von
Trarbachs in Simmern und Hans Ruprecht Hofmanns in Trier findet.
[27] Jennifer O' Reilly, Studies
in the Iconography of the Virtues and Vices in the Middle Ages. London 1988;
Susanne Blöcker, Studien zur Ikonographie der sieben Todsünden in der
niederländischen und deutschen Malerei und Graphik von 1450-1560 (Bonner
Studien zur Kunstgeschichte 8) Bonn 1993; Hans-Otto Mühleisen und Theo Stammen
(Hg.), Politische Tugendlehre und Regierungskunst. Studien zum Fürstenspiegel
der Frühen Neuzeit (Studia Augustana 2) Tübingen 1990; Dies. und Michael
Philipp (Hg.), Fürstenspiegel der Frühen Neuzeit (Bibliothek des deutschen
Staatsdenkens 6) Frankfurt-Leipzig 1997.
[28] Nikitsch, Inschriften 248.
[29] Nikitsch, Inschriften Nr.
367; Zimmermann, Kunstdenkmäler 332-341.
[30] Als Vergleichsbeispiel:
Gabriele & Wolfgang Schmid, Das Grabmal der Elisabeth von Görlitz
( 1451) ein Frühwerk des Nikolaus Gerhaert in Trier? In: Jean Schroeder (Hg.), Productions et échanges artistiques en
Lotharingie médiévale. Actes des 7. Journées Lotharingiennes (Publications de
la Section historique de l'Institut Grand-Ducal de Luxembourg 110) Luxemburg
1995, 171-220.
[31] Lexikon der christlichen
Ikonographie, Bd. 1 (1968), 589-590; Christoph Gerhardt, Der Hund, der
Eidechsen, Schlangen und Kröten verbellt. Zum Treppenaufgang der Kanzel im
Wiener Stephansdom. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 38 (1985) 115‑132.
[32] Lexikon der christlichen Ikonographie, Bd. 2 (1968), 676-677; Walter Hirschberg, Frosch und Kröte in Mythos und Brauch. Wien 1988; Bernd‑Ulrich Hergemöller, Krötenkuß und schwarzer Kater. Ketzerei, Götzendienst und Unzucht in der inquisitorischen Phantasie des 13. Jahrhunderts. Münster 1996.
[33] Johan Huizinga, Herbst des
Mittelalters. Studien über Lebens‑ und Geistesformen des 14. und 15.
Jahrhunderts in Frankreich und in den Niederlanden. Stuttgart 11. Aufl. 1975,
190-208. Zum Marburger Grab s. u. Anm. 99. Zum Trierer Epitaph Annette
Schommers, Das Grabmal des Trierer Erzbischofs Jakob von Sierck ( 1456).
Deutungs‑ und Rekonstruktionsversuch von Inschrift und Grabaufbau. In:
Trierer Zeitschrift 53 (1990) 311‑333.
[34] Die Kunstdenkmäler von
Rheinland-Pfalz. Bd. 8,1. München-Berlin 1988, 374-375; Hans Erich Kubach,
Kunstdenkmäler im Kreis St. Goar. In: Franz-Josef Heyen (Hg.), Zwischen Rhein
und Mosel. Der Kreis St. Goar. Boppard 1966, 263-278, hier 276.
[35] Wolfgang
Schmid, Kölner Renaissancekultur im Spiegel der
Aufzeichnungen des Hermann Weinsberg (1518-1597) (Veröffentlichungen des
Kölnischen Stadtmuseums 8) Köln 1991, 176; Rothbrust 76-77.
[36] Kurze, Pfalzgraf 305.
[37] Florian Gläser und Wolfgang
Schmid, Das Testament des Christoph von Rheineck. Ein Schlüsseldokument zur
westdeutschen Landesgeschichte des sechzehnten Jahrhunderts. In: Peter Seewaldt
(Hg.), Das Grabdenkmal des Christoph von Rheineck. Ein Trierer Monument der
Frührenaissance im Zentrum memorialer Stiftungspolitik (Schriftenreihe des
Rheinischen Landesmuseums Trier 19) Trier 2000, 139-272, hier 202-203; Christel
Meier, Gemma Spiritalis. Methode und Gebrauch der Edelsteinallegorese vom
frühen Christentum bis ins 18. Jahrhundert (Münstersche Mittelalter-Schriften
23/1) München 1977. Bis 1354 befand sich in der Trierer Kartause ein Ring mit
einem Rubin, der Blutungen stillen sollte. Er stammte aus dem Besitz des 1313
bei Siena gestorbenen Kaisers Heinrich VII. und war von dessen Bruder Balduin
von Luxemburg nach Trier geholt worden, wo ihn nach Balduins Tod 1354 dessen
Neffe König Karl IV. in seinen Besitz brachte, vgl. Schmid und Schwarz,
Jenseits-Fürsorge 120.
[38] Die Bibelzitate werden
normalisiert wiedergegeben. Als Quelle läßt sich Luthers 1544 gedruckte
Bibelübersetzung identifizieren. Benutzte Ausgabe: Die Luther-Bibel.
Originalausgabe 1545 und revidierte Fassung 1912 (Digitale Bibliothek 29)
Berlin 2. Aufl. 2000. Für Hinweise sei Wilhelm Holtmann, Trier, gedankt.
[39] Die Übersetzung der
Bibelstelle ist schwierig, die Lutherbibel von 1912 schreibt: "Und ich
weiß, daß mein Erlöser lebt; und als der letzte wird er über dem Staube sich
erheben. Und nachdem diese meine Haut zerschlagen ist, werde ich ohne mein
Fleisch Gott sehen."
[40] Barbara Ernst-Hofmann, Die Grabdenkmäler der Grafen von Hohenlohe von Johann von Trarbach in der Stiftskirche St. Peter und Paul in Öhringen. In: Württembergisch Franken 85 (2001) 67-141, Zitate 135-136.
[41] Franz Balke, Über die Werke
des kurtrierischen Bildhauers Hans Ruprecht Hoffmann ( 1616). Bonn 1916;
Rüdiger Fuchs, Die Schrift der Werkstatt Hans Ruprecht Hoffmanns ( 1616) in
Trier. In: Sancta Treveris. Beiträge zu Kirchenbau und bildender Kunst im alten
Erzbistum Trier. Festschrift für Franz J. Ronig zum 70. Geburtstag. Trier 1999,
147-160; Wolfgang Schmid, Grabdenkmäler und Kunstpolitik der Erzbischöfe von
Trier und Köln im Zeitalter der Gegenreformation. In: Ebenda 515-552.
[42] Eine Trarbach-Biographie
zählt zu den zahlreichen Desideraten in der Geschichte der
Renaissance-Bildhauerei im Westen des Reichs, vgl. Eduard Strübing, Johann von
Trarbach. Bildhauer zu Simmern. Diss. phil. masch. Frankfurt 1920; Hertha
Kahle, Studien zur mittelrheinischen Plastik des 16. Jahrhunderts
(Kunstgeschichtliche Forschungen 5) Bonn 1939, 89-98; Hugo Fröhlich, Die
Abstammung des Bildhauers Johann von Trarbach (1530-1586). Ein Versuch. In:
Jahrbuch für Geschichte und Kunst des Mittelrheins und seiner Nachbargebiete 14
(1962) 22-33; Norbert Müller-Dietrich, Neue Funde zu Johann von Trarbach und
seiner Werkstatt. In: Hunsrücker Heimatblätter 7 (1967) 98-103. Zu den Werken
in Simmern vgl. Magnus Backes, Hans Caspary und Norbert Müller-Dietrich, Die
Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises (Die Kunstdenkmäler von
Rheinland-Pfalz 6,1) München 1977, Bd. 2, 964-990.
[43] Zimmermann, Kunstdenkmäler
256; Nikitsch, Inschriften 250.
[44] Hermann Brucker, Die
Öhringer "Visierung" die einzige erhaltene Handzeichnung Johann
Trarbachs. In: Hunsrücker Heimatblätter 14 (1974) 50-56; Karl Schumm, Johann
von Trarbachs Grabmal des Grafen Ludwig Casimir von Hohenlohe in der
Stiftskirche zu Öhringen. In: Veröffentlichungen des Historischen Vereins
Heilbronn 22 (1957) 95-110; Die Renaissance im deutschen Südwesten, Kat. Nr. E
39; Ernst-Hofmann, Grabdenkmäler. Bei der Herstellung des Öhringer Grabmals
wurde bei Herzog Wolfgang wegen der Überlassung von Marmorsteinen aus Neuburg
angefragt, ebenda 77, 83.
[45] Erwin Panofsky,
Grabplastik. Vier Vorlesungen über ihren Bedeutungswandel von Alt‑Ägypten
bis Bernini. Köln 1964, Ndr. Köln 1993; Kurt Bauch, Das mittelalterliche
Grabbild. Figürliche Grabmäler des 11. bis 15. Jahrhunderts in Europa. Berlin-New York 1976; Hans Körner, Grabmonumente des Mittelalters. Darmstadt 1997. Für die
Renaissance vgl. Jeffrey Chipps Smith, German Sculpture of the
Later Renaissance, c. 1520‑1580. Art in an Age of Uncertainty. Princeton
1994, 127-197; Dorothea
Terpitz, Figürliche Grabdenkmäler im Rheinland. Leipzig 1997, insbesondere
192-202.
[46]
Max Denzler, Ewige Anbetung. In: Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte. Bd.
6 (1973), Sp. 572-600; Leo Bruns, Das Motiv der ewigen Anbetung in der
römischen Grabplastik des 16., 17. und 18. Jahrhunderts. In: Römisches Jahrbuch
für Kunstgeschichte 4 (1940) 253-432; Fritz Arens, Gotische Grabmäler mit der
Darstellung der "Ewigen Anbetung" in Deutschland. In: Das Münster 25
(1972) 333-340.
[47] Nikitsch, Inschriften Nr.
367. Weitere Beispiele bei Chipps Smith, Sculpture.
[48] Wolfgang Schmid, Zwischen
Amtsmemoria und Landesherrschaft: Die Grabdenkmäler der Mainzer Erzbischöfe in
der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In: Gutenberg. Aventur und kunst. Vom
Geheimunternehmen zur ersten Medienrevolution. Kat. Mainz 2000, 466-473.
[49] Hans-Walter Herrmann,
Residenzstädte zwischen Oberrhein und Mosel, Rheinische Vierteljahrsblätter 38
(1974) 273-300.
[50] Rudolf Feld, Das
Städtewesen des Hunsrück-Nahe-Raumes im Spätmittelalter und in der Frühneuzeit.
Untersuchungen zu einer Städtelandschaft, Diss. phil. Mainz, Trier 1972,
Kastellaun 2. Aufl. 1975.
[51] Kurt Andermann, Kirche und
Grablege. Zur sakralen Dimension von Residenzen. In: Residenzen 159-187.
[52] Ute von Bloh, Ausgerenkte
Ordnung. Vier Prosaepen aus dem Umkreis der Gräfin Elisabeth von
Nassau-Saarbrücken: "Herzogin Herpin", "Loher und Maller",
"Huge Scheppel", "Königin Sibille" (Münchner Texte und
Untersuchungen 119) Tübingen 2001.###########
[53] Werner Wunderlich (Hg.),
Johann II. von Simmern. Die Haymonskinder (Deutsche Volksbücher in
Faksimiledrucken A 14) Hildesheim-Zürich-New York 1989; Ders., Johann II. von
Simmern. Die Haymonskinder (Frühe Neuzeit 35) Tübingen 1997; Beate Weifenbach,
Die Haimonskinder in der Fassung der Aarauer Handschrift von 1531 und des
Simmerner Drucks von 1535. Ein Beitrag zur Überlieferung französischer
Erzählstoffe in der deutschen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit
(Germanistische Arbeiten zu Sprache und Kulturgeschichte 39) 2 Bde., Frankfurt
u. a. 1999, Bd. 1, 149-157, 200-205.
[54] Huizinga, Herbst 99; Rudolf
Endres, Adelige Lebensformen in Franken zur Zeit des Bauernkrieges
(Neujahrsblätter der Gesellschaft für Fränkische Geschichte 35) Würzburg 1974;
Werner Paravicini, Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters
(Enzyklopädie deutscher Geschichte 32) München 1994.
[55] Werner Wunderlich (Hg.),
Johann II. von Simmern. Fierrabras (Frühe Neuzeit 8) Tübingen 1992.
[56] Elsbeth Bonnemann, Die
Presse des Hieronymus Rodler in Simmern. Eine fürstliche Hofbuchdruckerei des
16. Jahrhunderts (Sammlung bibliothekswissenschaftlicher Arbeiten 48) Leipzig
1938, Ndr. Wiesbaden 1968; Willi Wagner und Gustav Schellack, 650 Jahre Stadt
Simmern im Hunsrück, Simmern 1980, 153-160; Werner Wunderlich, Johann II. von
Simmern. Autor und Gelehrter auf dem Fürstenthron. In: Euphorion 85 (1991)
1-37; Die Renaissance im deutschen Südwesten, Kat. Nr. B 1; Ulrich Merkl,
Buchmalerei in Bayern in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Spätblüte und
Endzeit einer Gattung. Regensburg 1999, Kat. Nr. 78-79, 81.
[57] Henrich Dors, Genealogie
oder Stammregister der durchläuchtigen hoch- und wohlgeborenen Fürsten, Grafen
und Herren des uhralten hochlöblichen Hauses Nassau samt edlichen
konterfeitlichen Epitaphien (Veröffentlichungen der Kommission für
Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung 9) Saarbrücken 1983. Über
ähnliche Vorstellungen bei den Grafen von Hohenlohe vgl. Ernst-Hofmann,
Grabdenkmäler 88-90.
[58] Molitor, Geschichte 243;
Hesse, Wittelsbach, 106; Volker Press, Johann I., Pfalzgraf bei Rhein. In: Neue
Deutsche Biographie. Bd. 10 (1974) 513-514.
[59] Gert Melville, Troja: Die
integrative Wiege europäischer Mächte im ausgehenden Mittelalter. In: Ferdinand
Seibt und Winfried Eberhard (Hg.), Europa 1500. Integrationsprozesse im
Widerstreit: Staaten, Regionen, Personenverbände, Christenheit. Stuttgart 1987,
415-433; Wolfgang Brückle, Noblesse oblige. Trojasage
und legitime Herrschaft in der französischen Staatstheorie des späten
Mittelalters. In: Genealogie als Denkform in Mittelalter und Früher Neuzeit,
39-68; Hans Hubert Anton, Troja-Herkunft, origo gentis und frühe
Verfaßtheit der Franken in der gallisch-fränkischen Tradition des 5. bis 8.
Jahrhunderts. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische
Geschichtsforschung 108 (2000) 1-30.
[60] Sebastian Scholz, Das Grab
in der Kirche Zu seinen theologischen und rechtlichen Hintergründen in
Spätantike und Frühmittelalter. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für
Rechtsgeschichte, Kanonistische Abteilung 84 (1998) 270-306; Ders., Totengedenken
in mittelalterlichen Grabinschriften vom 5. bis zum 15. Jahrhundert. In:
Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 26 (1999) 37-59; Arnold Angenendt, Das
Grab als Haus des Toten. Religionsgeschichtlich christlich mittelalterlich.
In: Wilhelm Maier, Wolfgang Schmid und Michael Viktor Schwarz (Hg.), Grabmäler.
Tendenzen der Forschung an Beispielen aus Mittelalter und früher Neuzeit.
Berlin 2000, 11-29; Ders., Grab und Schrift. In: Hagen Keller, Christel Meier
und Thomas Scharff (Hg.), Schriftlichkeit und Lebenspraxis im Mittelalter.
Erfassen, Bewahren, Verändern (Münstersche Mittelalter-Schriften 76) München
1999, 9-23.
[61] Die Fächer
Liturgiegeschichte und Kunstgeschichte haben in den letzten Jahren
erfreulicherweise diese Nahtstellen entdeckt, vgl. Franz Kohlschein und Peter
Wünsche (Hg.), Heiliger Raum. Architektur, Kunst und Liturgie in
mittelalterlichen Kathedralen und Stiftskirchen (Liturgiewissenschaftliche
Quellen und Forschungen 82) Münster 1998; Nicolas Bock u. a. (Hg.), Kunst und
Liturgie im Mittelalter (Römisches Jahrbuch der Bibliotheca Hertziana 33,
Beiheft) München 2000.
[62] Michael Viktor Schwarz,
Liturgie und Illusion. Die Gegenwart der Toten sichtbar gemacht (Naumburg,
Worms, Pisa). In: Grabmäler. Tendenzen der Forschung 147-177.
[63] Über das Konzept der Memorialforschung müßte aus der Perspektive der
Grabmalforschung noch einmal kritisch nachgedacht werden. Hier kann jedoch nur
auf zwei einführende Titel verwiesen werden: Otto Gerhard Oexle, Memoria in der
Gesellschaft und in der Kultur des Mittelalters. In: Joachim Heinzle (Hg.),
Modernes Mittelalter. Neue Bilder einer populären Epoche. Frankfurt-Leipzig
1994, 297-323; Gerd Althoff, Johannes Fried und Patrick J. Geary (Hg.),
Medieval Concepts of the Past. Ritual, Memory, Historiography. Cambridge 2002; Himmel, Hölle, Fegefeuer. Das Jenseits im
Mittelalter. Kat. Zürich 1994; Peter Dinzelbacher, Die letzten Dinge. Himmel,
Hölle, Fegefeuer im Mittelalter. Freiburg-Basel-Wien 1999.
[64] Christine
Sauer, Fundatio und Memoria. Stifter und Klostergründer im Bild 1100 bis 1350 (Veröffentlichungen
des Max-Planck-Instituts für Geschichte 109) Göttingen 1993; Klaus Schreiner,
Erneuerung durch Erinnerung. Reformstreben, Geschichtsbewußtsein und
Geschichtsschreibung im benediktinischen Mönchtum Südwestdeutschlands an der
Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. In: Kurt Andermann (Hg.), Historiographie am
Oberrhein im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit (Oberrheinische
Studien 7) Sigmaringen 1988, 35-87.
[65] Zum Themenkreis Kunst und Reformation s. u. Anm. 68. Margarete Stirm, Die Bilderfrage in der Reformation (Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte 45) Gütersloh 1977; Elfriede Starke, Luthers Beziehungen zu Kunst und Künstlern. In: Helmar Junghans (Hg.), Leben und Werk Martin Luthers von 1526 bis 1546. 2 Bde., Göttingen 1983, Bd. 1, 531‑548, Bd. 2, 905‑916; Jan Rohls, "... unsere Knie beugen wir doch nicht mehr". Bilderverbot und bildende Kunst im Zeitalter der Reformation. In: Zeitschrift für Theologie und Kirche 81 (1984) 322‑351; Peter Blickle u. a. (Hg.), Macht und Ohnmacht der Bilder. Reformatorischer Bildersturm im Kontext der europäischen Geschichte (Historische Zeitschrift, Beihefte N. F. 33) München 2002.
[66] Wolfgang Schmid, Zwischen
Tod und Auferstehung: Zur Selbstdarstellung städtischer Eliten des ausgehenden
Mittelalters im Spiegel von Stifterbildern. In: Himmel, Hölle, Fegefeuer,
101-116.
[67] Wolfgang Schmid, Der
Petrusbrunnen auf dem Trierer Hauptmarkt. Ein Werk Hans Ruprecht Hoffmanns von
1595. Trier 1995.
[68] Jörg Traeger, Renaissance
und Religion. Die Kunst des Glaubens im Zeitalter Raphaels. München 1997,
11-44; Luther und die Folgen für die Kunst. Kat. Hamburg-München 1983; Jan
Harasimowicz, Lutherische Bildepitaphien als Ausdruck des "Allgemeinen
Priestertums der Gläubigen" am Beispiel Schlesiens. In: Brigitte Tolkemitt
und Rainer Wohlfeil (Hg.), Historische Bildkunde. Probleme Wege Beispiele (Zeitschrift für historische Forschung Beiheft 12)
Berlin 1991, 135‑164; Siegfried Müller, Repräsentationen des Luthertums
Disziplinierung und konfessionelle Kultur in Bildern. Ein Problemaufriß anhand
von regionalen Beispielen. In: Zeitschrift für
historische Forschung 29 (2002) 215-254. Zur katholischen Seite
Christine Göttler, Die Kunst des Fegefeuers nach der Reformation. Kirchliche
Schenkungen, Ablaß und Almosen in Antwerpen und Bologna um 1600 (Berliner
Schriften zur Kunst 7) Mainz 1996; Jeffrey Chipps Smith, Sensous Worship.
Jesuits and the Art of the Early Catholic Reformation in Germany.
Princeton-Oxford 2002.
[69] Vgl. z. B. Hermann Keussen,
Die drei Reisen des Utrechters Arnoldus Buchelius nach Deutschland,
insbesondere sein Kölner Aufenthalt. In: Annalen des Historischen Vereins für
den Niederrhein 84 (1907) 1‑102, 85 (1908) 43‑117.
[70] Molitor, Geschichte
197-199.
[71] Jürgen Karbach, Die Reise
Herzog Alexanders von Pfalz-Zweibrücken und Graf Johann Ludwigs von
Nassau-Saarbrücken ins Heilige Land 1495/96 nach dem Bericht des Johann
Meisenheimer. In: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend (45) 1997
11-119.
[72] Andreas Wang, Der 'Miles Christianus'
im 16. und 17. Jahrhundert und seine mittelalterliche Tradition. Ein Beitrag
zum Verhältnis von sprachlicher und graphischer Bildlichkeit (Mikrokosmos 1)
Frankfurt 1975; Franz Machilek, Frömmigkeitsformen des spätmittelalterlichen
Adels am Beispiel Frankens. In: Klaus Schreiner (Hg.), Laienfrömmigkeit im
späten Mittelalter. Formen, Funktionen, politisch‑soziale Zusammenhänge
(Schriften des Historischen Kollegs 20) München 1992, 157‑189.
[73] S. o. Anm. 27 und: Bruno
Singer, Die Fürstenspiegel in Deutschland im Zeitalter des Humanismus und der
Reformation. Bibliographische Grundlagen und ausgewählte Interpretationen:
Jakob Wimpfeling, Wolfgang Seidel, Johann Sturm, Urban Rieger (Humanistische
Bibliothek 1, 34) München 1981.
[74] Barbara
Stollberg-Rilinger, Zeremoniell, Ritual, Symbol. Neue Forschungen zur
symbolischen Kommunikation in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. In:
Zeitschrift für historische Forschung 27 (2000) 389-405. S. o. Anm. 10.
[75] Andrea von Hülsen-Esch und
Otto Gerhard Oexle (Hg.), Die Repräsentation der Gruppen. Texte Bilder
Objekte (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 141)
Göttingen 1998.
[76] Zum Witwenstand Bernhard
Jussen, Der Name der Witwe. Erkundungen zur Semantik der mittelalterlichen
Bußkultur (Veröffentlichungen des Max-Planck-Insituts für Geschichte 158)
Göttingen 2000; Ders., "Jungfrauen" "Witwen"
"Verheiratete". Das Ende der Konsensformel moralischer Ordnung. In:
Ders. und Craig Koslofsky (Hg.), Kulturelle Revolution. Sinnformationen im
Umbruch 1400-1600 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Insituts für Geschichte
145) Göttingen 1999, 97-127.
[77] Johann Christian Lünig, Theatrum ceremoniale historico-publicum oder Historisch- und Politischer Schau-Platz Aller Ceremonien ... 2 Bde., Leipzig 1719-1720; Julius Bernhard von Rohr, Einleitung zur Ceremonial-Wissenschafft der grossen Herren. Nachdruck der Ausgabe Berlin 1733, hg. v. Monika Schlechte. Weinheim 1990. Um aus diesem wichtigen Forschungsgebiet nur zwei Titel herauszugreifen: Karl-Heinz Spiess, Rangdenken und Rangstreit im Mittelalter. In: Werner Paravicini (Hg.), Zeremoniell und Raum (Residenzforschung 6) Sigmaringen 1997, 39-61; Wolfgang Wüst, Von Rang und Gang. Titulatur- und Zeremonienstreit im reichstädisch-fürstenstaatlichen Umfeld Augsburgs. In: Zeremoniell als höfische Ästhetik in Spätmittelalter und Früher Neuzeit 484-510.
[78] Gläser und Schmid,
Testament 188-198.
[79] Stephan Kekule von
Stradonitz, Ahnenproben auf Kunstwerken. In: Ders., Ausgewählte Aufsätze aus
dem Gebiete des Staatsrechts und der Genealogie. Berlin 1905, 253-260; Klaus
Schreiner, Ahnenprobe. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 1 (1980) 233.
[80] Eckard Freise, Genealogie.
In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 4 (1989) 1216-1221; Léopold Genicot, Les
Généalogies (Typologie des sources du Moyen Age occidental 15) Turnhout 1975;
Gert Melville, Vorfahren und Vorgänger. Spätmittelalterliche Genealogien als
dynastische Legitimation zur Herrschaft. In: Peter‑Johannes Schuler
(Hg.), Die Familie als sozialer und historischer Verband. Untersuchungen zum
Spätmittelalter und zur frühen Neuzeit. Sigmaringen 1987, 203‑309; Gerd
Althoff, Genealogische und andere Fiktionen in mittelalterlicher
Historiographie. In: Fälschungen im Mittelalter. Bd. 5 (Schriften der MGH 33)
Hannover 1988 417‑441. Im kirchlichen Bereich sollte man statt von
Genealogie von Sukzession sprechen, vgl. Ursula Nilgen, Amtsgenealogie und
Amtsheiligkeit. Königs- und Bischofsreihen in der Kunstpropaganda des
Hochmittelalters. In: Studien zur mittelalterlichen Kunst 800-1250. Festschrift
für Florentine Mütherich. München 1985, 217-234.
[81] Sankt Elisabeth. Fürstin‑Dienerin‑Heilige.
Aufsätze‑Dokumentation‑Katalog. Sigmaringen 1982; 700 Jahre
Elisabethkirche in Marburg 1283‑1983. Kat. 7 Bde., Marburg 1983; Udo
Arnold und Heinz Liebing (Hg.), Elisabeth, der deutsche Orden und ihre Kirche
(Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 18) Marburg 1983; Uwe
Geese, Reliquienverehrung und Herrschaftsvermittlung. Die mediale
Beschaffenheit der Reliquien im frühen Elisabethkult (Quellen und Forschungen
zur hessischen Geschichte 57) Darmstadt-Marburg 1984.
[82] Dies hat jetzt
erfreulicherweise auch die Kunstgeschichte entdeckt, vgl. Kilian Heck und
Bernhard Jahn (Hg.), Genealogie als Denkform in Mittelalter und Früher Neuzeit
(Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur 80) Tübingen 2000; Kilian
Heck, Genealogie als Monument und Argument. Der Beitrag dynastischer Wappen zur
politischen Raumbildung der Neuzeit (Kunstwissenschaftliche Studien 98)
München-Berlin 2002.
[83] Klaus Graf, Fürstliche
Erinnerungskultur. Eine Skizze zum neuen Modell des Gedenkens in Deutschland im
15. und 16. Jahrhundert. In: Chantel Grell, Werner Paravicini
und Jürgen Voss (Hg.), Les princes et l'histoire du XIVe au XVIII siècle (Pariser Historische Studien
47) Bonn 1998, 1-11; Werner Rösener (Hg.), Adelige und bürgerliche
Erinnerungskulturen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit (Formen der
Erinnerung 8) Göttingen 2000; Sigrid Schmitt, Zwischen frommer Stiftung,
adeliger Selbstdarstellung und standesgemäßer Versorgung. Sakralkultur im
Umfeld von Rittersitzen. In: Kurt Andermann (Hg.), Rittersitze. Facetten
adeligen Lebens im Alten Reich (Kraichtaler Kolloquien 3) Tübingen 2002, 11-44.
[84] Weitere Beispiele bei
Chipps Smith, Sculpture, 157-197.
[85] Heinrich Wölfflin, Über das
Rechts und Links im Bilde. In: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst N. F.
5 (1928) 213-224; Ursula Deitmaring, Die Bedeutung von rechts und links in
theologischen und literarischen Texten bis um 1200. In: Zeitschrift für
deutsches Altertum und deutsche Literatur 98 (1969) 265-292; Manfred Lurker,
Die Symbolbedeutung von Rechts und Links und ihr Niederschlag in der
abendländisch-christlichen Kunst. In: Symbolon N. F. 5 (1980) 95-128;
Rudolf Suntrup, Die Bedeutung der liturgischen Gebärden und Bewegungen in
lateinischen und deutschen Auslegungen des 9. bis 13. Jahrhunderts (Münstersche
Mittelalter-Schriften 37) München 1978, 206-224; Reinhard Elze, Rechts und
Links. Bemerkungen zu einem banalen Problem. In: Das andere Wahrnehmen.
Beiträge zur europäischen Geschichte. (Festschrift) August Nitschke.
Köln-Weimar-Wien 1991, 75-82.
[86] Julius Hoffmann, Die
"Hausväterliteratur" und die "Predigten über die christliche
Hauskunst". Lehren von Haus und Bildung für das häusliche Leben im 16.,
17. und 18. Jahrhundert. Weinheim 1958; Rudolf Uhl, Sterben, Sterbebeistand und
Tod in der Hausväterliteratur der frühen Neuzeit. Diss. phil. masch. Hannover
1985; Volker Bauer, Hofökonomie. Der Diskurs über den Fürstenhof in
Zeremonialwissenschaft, Hausväterliteratur, Kameralismus (Frühneuzeit-Studien
N. F. 1) Wien 1997.
[87] S. o. Anm. 47.
[88] Figürliche
Grabdenkmäler, die an Kinder erinnern, sind in einigen Fällen erhalten,
gemessen am Gesamtbestand handelt es sich freilich um Ausnahmen, vgl. z. B.
Klaus Krüger, Corpus der mittelalterlichen Grabdenkmäler in Lübeck, Schleswig,
Holstein und Lauenburg (1100-1600) (Kieler Historische Studien 40) Stuttgart
1999, 90-92; Sebastian Scholz (Bearb.), Die Inschriften der Stadt Darmstadt und
der Landkreise Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau (Die Deutschen Inschriften 49)
Wiesbaden 1999, Nr. 228, vgl. auch 334; Yvonne Monsees und Rüdiger Fuchs (Bearb.), Die
Inschriften der Stadt Wiesbaden (Die Deutschen Inschriften 51) Wiesbaden 2000; Ernst
Schubert, St. Marien Freyburg/Unstrut (Schnell Kunstführer 1958) Regensburg 2.
Aufl. 2000, 15. Bisher
unpubliziert ist ein Grabmal, das der Trierer Goldschmied Richard Wehr 1611 für
seinen Sohn und seine zwei Töchter stiftete, Bischöfliches Dom- und
Diözesan-Museum Trier, Inv.-Nr. Dep. P 759 (freundl. Hinweis von Markus
Groß-Morgen). Wesentlich früher setzen Grabmäler ein,
die an Kinder und ein Elternteil erinnern, so z. B. das Grab des Grafen
Heinrich von Sayn ( 1246) aus Sayn, das der Königin Anna in Basel ( 1281),
das verlorene Monument König Ludwigs X. ( 1316) in Saint Denis, das der
Landgräfin Alheidis ( 1274) in Marburg oder dasjenige des Grafen Otto III. von
Ravensburg ( 1305) in Bielefeld, vgl. Rainer Kashnitz (Hg.), Die Gründer von
Laach und Sayn. Fürstenbildnisse des 13. Jahrhunderts. Kat. Nürnberg 1992,
59-65.
[89] Matthias Beer, Eltern und
Kinder des späten Mittelalters in ihren Briefen. Familienleben in der Stadt des
Spätmittelalters und der frühen Neuzeit mit besonderer Berücksichtigung
Nürnbergs (1400‑1550) (Nürnberger Werkstücke zur Stadt‑ und
Landesgeschichte 44) Nürnberg 1990; Klaus Arnold, Kind und Gesellschaft in
Mittelalter und Renaissance. Beiträge und Texte zur Geschichte der Kindheit.
Paderborn-München 1980; Rothbrust 43-53.
[90] Zimmermann, Kunstdenkmäler,
259-260; Nikitsch, Inschriften Nr. 438. Pläne, das Grabmal von Bildhauern aus
Zweibrücken, Homburg, Straßburg und Saarbrücken ausführen zu lassen,
zerschlugen sich, so daß der Auftrag an Michael Henkel aus Bergzabern ging, der
dafür 320 Gulden erhielt.
[91] Menzel, Wolfgang 579.
[92] Ein anschauliches Beispiel
ist auch Herzog Wolfgangs Schwiegervater, der aufgrund einer kirchlichen
Sonderregelung mit zwei Frauen verheiratet sein durfte, vgl. Kerstin Merkel,
Ein Fall von Bigamie Landgraf Philipp von Hessen, seine beiden Frauen und deren
drei Grabdenkmäler. In: Grabmäler. Tendenzen der Forschung 103-128.
[93] Alain Erlande-Brandenburg,
Die Abteikirche von Saint Denis. Bd. 2: Die Königsgrabmäler. Paris 1986; Ders., Le Roi est mort. Étude sur les funérailles les
sépultures et les tombeaux des rois de France jusqu' à la fin du XIIIe siècle
(Bibliothèque de la Société Franηaise d' Archéologie 7) Genf-Paris 1975; Mario Kramp, Kirche, Kunst
und Königsbild: Zum Zusammenhang von Politik und Kirchenbau im capetingischen
Frankreich des 12. Jahrhunderts am Beispiel der drei Abteien Saint-Denis,
Saint-Germain-des-Prés und Saint-Remi/Reims. Weimar 1995, 11-151.
[94] Anne D. Hedeman, The Royal
Image. Illustrations of the Grandes Chroniques de France, 1274-1442.
Berkeley-Los Angeles-Oxford 1991.
[95] Wolfgang Schmid und Michael
Viktor Schwarz, Jenseits-Fürsorge und Hausmacht-Politik: Erzbischof Balduins
Grabmal im Trierer Dom. In: Ders. (Hg.), Grabmäler der Luxemburger. Image und
Memoria eines Kaiserhauses (Publications du Centre
Luxembourgeois de Documentation et d'Etudes Médiévales 13) Luxemburg 1997,
97-122; Schmid, Romfahrt.
[96] Michael Viktor Schwarz,
Peter Parler im Veitsdom. Neue Überlegungen zum Prager Büstenzyklus. In: Matthias
Winner (Hg.), Der Künstler über sich und sein Werk. Weinheim 1989, 55‑72;
Ders., Felix Bohemiae Sedes Imperii. Der Prager Veitsdom als Grabkirche Karls
IV. In: Grabmäler der Luxemburger, 123-153; Frantisek mahel, Zur politischen
Präsentation und Allegorie im 14. und 15. Jahrhundert
(Otto-von-Freising-Vorlesungen der Katholischen Universität Eichstätt 9)
München 1994; Jochen Schröder, Neue tschechische Forschungen zum Prager
Veitsdom. In: Kunstchronik 56 (2003) 25-31.
[97] Renate
Prochno, Die Kartause von Champmol. Grablege der burgundischen Herzöge
(1364-1477). Berlin 2002.
[98] Müller, Gedechtnus.
[99] Der Landgraf liegt in
ritterlicher Rüstung auf der Deckplatte; in der allseits offenen Tumba erkennt
man eine weitere Darstellung des Verstorbenen als Leichnam, der von Kröten,
Schlangen und Würmern zerfressen wird. Joan A. Holladay, Die Elisabethkirche
als Begräbnisstätte. Anfänge. In: Udo Arnold und Heinz Liebing (Hg.),
Elisabeth, der Deutsche Orden und ihre Kirche. Festschrift zur 700jährigen
Wiederkehr der Weihe der Elisabethkirche in Marburg (Quellen und Studien zur
Geschichte des Deutschen Ordens 18) Marburg 1983, 323-338; Andreas Köstler, Die
Ausstattung der Marburger Elisabethkirche: Zur Ästhetisierung des Kultraums im
Mittelalter. Berlin 1995, bes. 133-157; Jörg Jochen Berns und Detlef Ignasiak
(Hg.), Frühneuzeitliche Hofkultur in Hessen und Thüringen (Jenaer Studien 1)
Erlangen-Jena 1993.
[100] Andermann, Kirche 178-179;
Christian Presche, Die fürstlichen Grabstätten in der Kasseler Martinskirche.
In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 107 (2002)
17-69; Merkel, Fall; Chipps Smith, Sculpture 152-154, 452. Für freundliche
Hinweise sei Marion Jäckel und Kerstin Merkel gedankt.